Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
Seite
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1996, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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PÜCKLER- MUSKAU, Hermann Fürst von, Andeutungen über Land-schaftsgärtnerei verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwen-dung in Muskau. Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1996, 377 Seiten.

Der Originaltext dieses Reprints erschien erstmals in Stuttgart bei derHallberger'schen Verlagsbuchhandlung 1834. Der im Jahre 1785 geboreneVerfasser Hermann Fürst von Pückler- Muskau ist neben Peter Joseph Lennéund Friedrich Ludwig von Sckell einer der bedeutendsten Protagonisten derKunst des Landschaftsgartens in Deutschland.

Hermann Pückler hatte 1811 von seinem Vater die Standesherrschaftübernommen( erst 1822 wurde er in den Fürstenstand erhoben). Im Frühjahr1815 teilt der knapp Dreißigjährige den Bürgern von Muskau an der Lausit-zer Neiẞe folgendes mit: Er plane die Anlage eines mehrere tausend Morgengroßen Landschaftsparks in der unmittelbaren Nähe der Stadt. Dazu braucheer weitere Grundstücke, da nicht alle erforderlichen in seinem Besitz wären,sowie die praktische Mithilfe der Muskauer. Was konnte er im Gegenzugbieten? Er versprach, einen Landschaftspark zu errichten, der das unbedeu-tende Städtchen auch in Zukunft berühmt machen werde.

Für die Verwirklichung solcher großen Pläne war Pückler gut vorbereitet:In Deutschland kannte er den Wörlitzer Park und die Werke Sckells, Wien,Frankreich und Oberitalien mit ihren Gärten und Parks waren ihm von seinenReisen bekannt und England, das gelobte Land der Gärtner, hatte er unmit-telbar vor Beginn seiner Arbeiten in Muskau ebenfalls ein Jahr lang bereistund dort alle großen Anlagen jener Zeit studiert. Zudem hatte er sich dieFachliteratur angeeignet, vor allem englische Werke und C. C. L. Hirsch-felds fünfbändige ,, Theorie der Gartenkunst", und so begann er, als ihm diegeplante Fläche von 500 ha zur Verfügung stand, mit seinem Werk, in daser seine Kraft gleichermaßen wie sein Vermögen investierte. Geldmangelzwang ihn jedoch bald zu gelegentlichen Ruhepausen. Diese wußte erinsofern zu nützen, als er abenteuerliche Reisen unternahm, die ihn nachEngland, Ägypten, Afrika und Griechenland führten. Die Reiseberichte, dieer davon verfaßte, waren in der damaligen Zeit eine literarische Sensation,wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erzielten hohe Auflagen. Den-noch sah er sich im Jahre 1845 gezwungen, seinen Besitz in Muskau zuverkaufen. Sein Ruf als Gartenfachmann war aber bereits begründet, nichtzuletzt wegen seiner 1834 erstmals erschienenen ,, Andeutungen zur Land-schaftsgärtnerei, die nun im Reprint vorliegen. 1988 schon hatte es eineTaschenbuchausgabe des Insel Verlages gegeben; Ziel dieser neuen Ausgabeist es, die Lesbarkeit des Textes zu erhöhen, ohne die Vorlage zu verfälschen.Interessant ist bereits die Einleitung: Pückler verrät zunächst seine Moti-vation als Gartenarchitekt und dann seinen Gram darüber, daß DeutschlandEngland in einem Punkt fast um ein Jahrhundert nachhinke, nämlich in derKunst, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden: