Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
39
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LV/ 104, Wien 2001, 39-51

Chronik der Volkskunde

Hochschultagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskundevom 9. bis 11. November 2000 in Tübingen

,, Volkskunde'00. Hochschulreform und Fachidentität, so war, ein wenigmaliziös vielleicht formuliert, die 18. Hochschultagung der DeutschenGesellschaft für Volkskunde( DGV) überschrieben. Das Ludwig- Uhland- In-stitut hatte die Tagung sorgfältig vorbereitet und stilvoll- unaufdringlichausgerichtet. Tagungsort waren für die Eröffnung die Kapelle des SchlossesHohentübingen, in der sonst die Stiftstheologen das Predigen üben, und fürdie beiden nächsten Tage das als Brutstätte schwäbischer Geistesheroengerühmte Tübinger Stift.

Die Hochschultagungen sind inzwischen zu veritablen Zwischenkongres-sen geworden. An dieser Tagung nun nahmen insgesamt etwa 100 Personenteil. Die Tagung fand, was in einer Disziplin, die sich mit Schwellen undRitualen befaßt, angemerkt werden muß, am Ort der ersten Tagung dieserArt statt, eben in Tübingen. Damals firmierte dieser DGV- Tagungstyp nocheindeutig als ,, Hochschullehrertagung. Doch die demokratische Öffnungder einst exklusiven Veranstaltung für Studierende- in den 70er Jahrenerstritten ist heute offenbar so selbstverständlich, daß die Hochschulleh-rerschaft fast unter sich blieb.

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Unter dem Titel ,, populus revisus" waren die Erträge der ersten TübingerTagung publiziert und bekannt geworden. Populus revisus war- als state ofthe art- als eine kritische Bestandsaufnahme des Fachs und seiner Identität( ein Wort, das man damals kaum aussprach) und der Auseinandersetzung mitdem Volksbegriff verstanden worden. Was da als Versuch einer kritischenRevision geleistet wurde, läßt sich heute rückblickend doch als Aufbruchansehen, denkt man an die Auseinandersetzung zwischen ,, historischerVolkskunde" und der als ahistorisch mißverstandenen ,, Gegenwarts- Volks-kunde", Teile der Folklorismus- Debatte und das Abstecken zeitgenössischerForschungsfelder.

Im Mittelpunkt standen dieses Mal die Repräsentanten der Generation derum und bei 40- Jährigen, die sich selbst als ,, lost generation" darstellten unddie Krise der Repräsentation des Fachs in den Mittelpunkt stellten: Konkretging es um ein Defizit in der Erkennbarkeit des Fachs, die ernsthaft, auch