2001, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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gen Überprüfung festgestellte fehlende Literaturangaben: auf S. 501 fehltder Beleg für Watson( 1997) und auf S. 88 ist wohl gemeint: O. Elschek( Hg.), Methoden der Klassifikation von Volksweisen, Bratislava 1969, so-wie D. Stockmann& J. Steszewski( Hg.), Analyse und Klassifikation vonVolksmelodien, Kraków[ 1993]. Ferner ist in der letzten Zeile des Haupttex-tes der Seite 92 das Wort ,, autistischen" durch ,, autarken“ zu ersetzen.
Tonbeispiele zu sieben Beiträgen auf der beiliegenden CD unterstützenwesentlich den Nachvollzug der betreffenden Studien, und die durchgehen-de Beigabe deutsch- und englischsprachiger Zusammenfassungen hilft, sichin dem interessanten und facettenreichen Buch zu orientieren. WalterDeutsch kann damit seine Freude haben.
Franz Födermayr
GRABOWSKI, Ralf:„ Zünftig, bunt und heiter“. Beobachtungen überFans des volkstümlichen Schlagers Tübingen. Tübinger Vereinigung, 1999(= Studien und Materialien des Ludwig- Uhland- Instituts der UniversitätTübingen, Bd. 20), 170 Seiten.
Das Genre volkstümlicher Schlager ist medial so präsent wie keine andereMusikgattung. Eigentlich müßten sich die Untersuchungen darüber häufen,was aber nicht der Fall ist. Es ist nicht so, daß man zum Problemfeld nichtfündig würde, aber im Verhältnis zur alltäglichen Präsenz dieser Gattung, istder wissenschaftliche Output eher gering. Bestimmte Gründe dafür kannman auch an dieser Publikation ablesen: Wenn Ralf Grabowski aus seinenFeldforschungsnotizen zitiert, in denen auch die jeweilige persönliche Be-findlichkeit angesprochen wird, so wird deutlich, wie unwohl er sich in denBierzelten, also an den Orten des Geschehens, gefühlt hat: ,, Um mich herumsehe ich lauter wackelnde Hinterteile. Die Menschen stehen auf den Bänkenund jubeln, ich sitze. So viele unästhetische Menschen auf einem Haufenhabe ich sonst selten erlebt. Ich zweifle an dem Sinn meiner Untersuchungenund ärgere mich über meine Themenwahl. Mißmutig sitze ich auf einer Bier-bank und hätte größte Lust sofort aufzustehen und zu gehen.“( S. 93) DiesePassage zeigt das Dilemma des Forschers, der sich mit einem Gegenstandbeschäftigt, der ihm zunächst fremd ist, sowohl emotional als auch intellektuell,und der zwar beobachtet, aber nicht teilnimmt, sich zumindest gefühlsmäßigausklinkt. Diese Distanz hat Vor- und Nachteile. Der kritische, distanzierte Blickfördert Fakten zutage, die ein emotional beteiligter Beobachter nicht registrierenwürde. Andererseits fehlt jene emphatische Zugangsweise, die dazu angetan ist,uns in manchen Fällen Sternstunden der Volkskunde zu bescheren.