2001, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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zieht, ist nämlich ziemlich groß und schlägt sich auch in barer Münze nieder.Der Fanclub leistet wesentliche Promotion für das Ensemble und zwar aufunentgeltlicher Basis. Oft, besonders von den Präsidenten der jeweiligenClubs, wird die gesamte Freizeit dem Clubleben gewidmet und auch privateGelder werden investiert. Gleichsam Gegenleistung ist der enge Kontakt mitden Musikern, der soziales Prestige bringt, Integration in eine bestimmteGruppe, immer neue Sozialkontakte und das Gefühl, bei Konzerten absolutim Mittelpunkt der ,, Action" zu sein. Bemerkenswert ist dabei, daß sich dieFans, was den Musikkonsum betrifft, keineswegs mit Haut und Haar dervolkstümlichen Szene verschreiben. Eine gewisse Offenheit des Musikge-schmacks bleibt durchaus erhalten, insbesondere bei der jüngeren Genera-tion.
Das Buch gibt zumindest eine Teilantwort auf die immer wieder gestellteFrage, was nun die große Popularität dieser musikalischen Gattung aus-macht. Es ist zum Teil der enge Kontakt der Akteure mit ihrem Publikum,vor allem mit den in Clubs organisierten Fans, der zunächst meist in engeremregionalem Raum stattfindet. Die Aktivitäten der Fans unterstützen dieMusiker auf ihrem Weg zum Ruhm und zum großen Geld. Allerdingsgeschieht das, wie die vorliegende Untersuchung zeigt, nicht fremd-, son-dern durchaus selbstbestimmt, im Sinne eines ,, aktiven Konsums“.
Ursula Hemetek
DRASCEK, Daniel, Irene GÖTZ, Tomislav HELEBRANT, ChristophKÖCK, Burkhart LAUTERBACH( Hg.): Erzählen über Orte und Zeiten:eine Festschrift für Helge Gerndt und Klaus Roth. Münster, New York,München, Berlin, Waxmann, 1999(= Münchener Beiträge zur Volkskunde,Bd. 24), 368 Seiten.
Mit dem Sammelband ehren die derzeitigen und ehemaligen wissenschaft-lichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Münchner Instituts für deutscheund vergleichende Volkskunde zwei Volkskundler, die das Profil von volks-kundlicher Forschung und Lehre an der Maximilians- Universität nach wievor bestimmen: Helge Gerndt und Klaus Roth. Da sie das gemeinsameInteresse am kulturellen Phänomen des Erzählens verbindet, widmeten ihnenKollegen, Freunde und Schüler ein Buch, das die ganze Vielfalt an historischenund gegenwärtigen Formen der kommunikativen Alltagskultur offen legt. Wievon einer Festschrift zu erwarten, schlagen sich Fachverständnis und For-schungsansatz der Jubilare in den einzelnen Beiträgen nieder. Beide verfolgenein erweitertes Konzept von ,, Erzählen“, das die Grenzen der nach Gegenstän-