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Literatur der Volkskunde
ÖZV LV/ 104
König“( Nr. 6). Einige Parallelen weisen deutlich nach Ungarn, wie z.B.Der Bäcker und sein Pate, der Teufel"( Nr. 10).
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Eine besondere Gruppe bei den Erzählungen bilden die ,, Mulo"-Ge-schichten. Daß sich die wiederkehrenden Toten auch in den Erzählungenanderer Völker finden, ist bekannt. Erstaunlich an der Roma- Traditionjedoch ist, daß diese Geschichten bis heute als wahr erzählt werden. Esentstehen nach wie vor Geschichten aus realen Begebenheiten, und ichkonnte selbst mehrfach Zeugin solcher Erzählungen werden.
Die zusätzlichen sieben Lieder, die mit Melodien und Texten dokumen-tiert sind, sind wohl nach dem heutigen Forschungsstand die einzigen, dieaus der älteren Vokaltradition der Burgenlandroma noch zu finden waren.Umso wichtiger ist ihre Aufzeichnung. Zum Teil weisen sie in ihrer Melodikungarische Einflüsse auf, zum Teil handelt es sich um Kontrafakturen aufpopuläre Schlager.
Ob es möglich sein wird, mit dieser und anderen Publikationen( sieheauch Cech et al. und Ambrosch et al. 2000) zu erreichen, daß wieder mehrRomanes gesprochen wird, hängt vor allem davon ab, inwieweit dieseBücher in Romakreisen rezipiert werden. Das wird die Zukunft zeigen. Fürdie Romaforschung jedoch, insbesondere in Österreich, ist dieses Buch einäußerst wertvoller Beitrag. Abgesehen davon ist die Lektüre ein Vergnügen.Ursula Hemetek
Literatur
Aarne, Antti, Stith Thompson: The Types of Folktale. Helsinki 1961.Ambrosch, Gerd, Emmerich Gärtner- Horvath, Dieter W. Halwachs, Michael Wogg( Hg.): Kaj pe sina, kaj pe nana. Klagenfurt 2000.
Cech, Petra, Christiane Fennesz- Juhasz, Dieter W. Halwachs, Mozes F. Heinschink( Hg.): Tusa ande akhoren khelos... Lovarenge paramiči. Klagenfurt 2000.
Glaeser, Ursula, Dieter W. Halwachs, Katharina Deman: Amen Roman Siklojas.Graz/ Oberwart: Romani- Projekt/ Verein Roma, 1998.
Halwachs, Dieter W., Erika Horvath, Gerd Ambrosch, René Sarközi: Amen RomanPisinas. Klagenfurt 1996.
BELAJ, Vitomír: Die Kunde vom kroatischen Volk. Eine Kulturgeschichteder kroatischen Volkskunde. St. Augustin, Gradez Verlag, 1998, 304 Seiten.
Professor Vitomír Belaj zählt zu den bedeutenden kroatischen Wissenschaft-lern des Instituts für Ethnologie und Folkloristik in Zagreb( Agram). Sym-pathisch ist, dass er im Vorwort zu seinem Buch einräumt, dass es sich nichtnur um eine rein wissenschaftliche Arbeit handelt, weil sie auch unter dem