2001, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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klassischen Sinne, welche den wichtigsten traditionellen KulturaspektenRechnung trägt. Dabei erwies sich das wenig homogene Spektrum derbeteiligten Forscher und Ansätze als äußerst heikel für die Erarbeitung einerEthnologie der autonomen Provinzen. Ein grundlegendes Problem für denVerlauf des Projektes stellte das divergierende Wissenschaftsverständniszweier Forschergenerationen dar. ,, Eine Gruppe von etablierten Forschern,aufgrund von Alter und Status, Eingeweihte der Materie' stand einer jungenGeneration, welche zwar noch in der Ära Francos ihre Ausbildung absolvierthatte, sich selbst aber als wissenschaftliche Vertretung eines demokratischenund autonomen Spaniens verstand, gegenüber. Die Angleichung der einzel-nen Beiträge an den konzeptuellen Rahmen der Untersuchung, welcher aufden ideologischen Vorstellungen der jungen Generation beruhen, gestaltetesich aus diesem Grunde als äußert schwierig.“( S. 13) Das Projekt förderteunter anderem unterschiedliche Akzentuierungen der ethnologischen Aus-bildung in Spanien zu Tage, aus der Zugehörigkeit zu der einen oder anderenSchule ergaben sich Konsequenzen in Bezug auf den methodischen Ansatz.Schwerpunktsetzungen etwa auf eine vor allem historische Perspektive, auf,materielle Kultur, auf mündliche Traditionen komplizierten die Erarbeitungkomparativer Einheiten und blieben meiner Meinung nach auch beim Stu-dium einzelner Beiträge spürbar.
Waltraud Müllauer- Seichter
ORTÍZ GARCÍA, Carmen, Luis Àngel SÁNCHEZ GÓMEZ( Ed.): Dic-cionario Histórico del la Antropología Española. Madrid 1995(= ConsejoSuperior de Investigaciones Científicas, Instituto de Filología. Departamen-to de Antropología de España y America. Biblioteca de Dialectologia yTradiciones Populares, 26. Bd.), 760 Seiten.
Dieses Handbuch ist, wie schon zuvor erwähnt, ein weiteres Ergebnis desvon Julio Caro Baroja im Jahre 1985 initiierten Projektes. Das DiccionarioHistórico del la Antropología Española beinhaltet Aufsätze vor allem zu dreigroßangelegten Themenbereichen: zu Autoren, zu Institutionen und zu pe-riodischen Publikationen; des weiteren wurden die wichtigsten Ansätze bezüg-lich der lokalen anthropologischen Entwicklung einbezogen, wie etwa Paradig-men, intellektuelle Bewegungen und grundlegende Forschungslinien. Chrono-logisch umfaßt der Band den zeitlichen Rahmen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert,wobei zu erwähnen ist, daß der größte Anteil der Stichwörter sich auf denZeitraum ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1970 bezieht.Letzteres Datum hängt damit zusammen, daß in den 70er Jahren die Ausbil-