Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

Literatur der Volkskunde

ÖZV LV/ 104

gleichermaßen als Feind und als Vorbild. Besondere Bedeutung wird demProvinztheater und seinen Vorstellungen beigemessen: vor allem die Fran-zösisch- Schulen( ehemaligen Jesuiten- Schulen) haben ein reiches Reper-toire an Laienvorstellungen. In Bezug auf ökonomische und soziale Theoriebleibt die Hervorhebung der Eigeninitiative zu erwähnen, die ambivalenteHaltung zum Fortschritt und zum Handel( Protektionismus oder Freiheit),die Ablehnung von Sozialismus und Anarchismus. Den Band beschließt einEpilog( S. 509 ff.), eine reichhaltige Bibliographie( S. 515 ff.) sowie einBegriffs- und Sachverzeichnis( S. 547 ff.).

Die Lektüre des Buches ist lehrreich; die Darstellung ist nicht nur höchstdifferenziert, sie entzieht sich jeglicher schematischer Begriffsbildung undvorschneller ideologischer Einordnung; die Ergebnisse sind wie der Verfas-ser in einem Motto betont, in einem gewissen Sinne auch zukunftweisend:Der Nachweis von Regionalismus auch in schwierigen Zeiten, geprägt vonIrredentismus und überschwenglichem Nationalismus, zentralistischer Ver-waltung und ideologischer Vereinheitlichung ist ein bemerkenswertes Fak-tum, das auch in den Zeiten der besseren Verkehrsverbindungen, der Mas-senmedien, Emigrationen und Touristenströme, der Europäischen Vereini-gung und den vielfältigen Globalisierungen" in allen Bereichen seineBedeutung nicht verliert, eher im Gegenteil. Warum, braucht an dieser Stellewohl kaum näher ausgeführt zu werden.

Walter Puchner

MATEJOVSKI, Dirk( Hg.): Neue, schöne Welt? Lebensformen der Infor-mationsgesellschaft. Frankfurt am Main/ New York, 2000, 214 Seiten, mitIllustrationen von Pellegrino Ritter.

Um gleich eines vorweg zu nehmen: Die Frage nach der neuen, schönenWelt, wie sie der Titel des Sammelbandes stellt, die bleibt. Die Antwort musssich jede und jeder selbst suchen, allerdings macht die Auseinandersetzungmit den insgesamt dreizehn Artikeln eines deutlich: Wir haben uns derInformationsgesellschaft- in die wir längst eingetreten sind zu stellen, werversucht, sich ihr zu entziehen, hat in einer flexiblen Gesellschaft, dieAbschied genommen hat von Linearitäten, wenig Chancen zu überleben.Dies mag die Grundaussage des Bandes sein, die sich logischerweise erge-ben muss, gerade wenn man die Namen der Autoren( übrigens alle männlich)und deren berufliches Umfeld beachtet. Florian Rötzer und Peter Glaser, diederzeit wohl bekanntesten ,, Gesichter" unter den Befürwortern der Informa-tionsgesellschaft, durften augenscheinlich in einem Sammelband, der laut