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Literatur der Volkskunde
ÖZV LV/ 104
geben, Gebrauch gemacht hat, mag Skeptikern der Informationsgesellschaftein Dorn im Auge sein. Bestätigung finden hier hingegen all jene, die demneuen Bild des ,, muddling through" entsprechen bzw. die wissen, dass wiruns dem Informationszeitalter zu stellen haben. Ein hilfreiches und infor-matives Buch ist es für alle.
Birgit Johler
KÖNIG, Wolfgang: Bahnen und Berge. Verkehrstechnik, Tourismus undNaturschutz in den Schweizer Alpen 1870-1939. Frankfurt am Main undNew York, Campus Verlag, 2000(= Deutsches Museum. Beiträge zur histo-rischen Verkehrsforschung, Bd. 2), 242 Seiten, Abb.
Das Buch befaßt sich mit der Vorgeschichte des Massentourismus in denSchweizer Bergen und zwar unter zwei Gesichtspunkten: dem Zusammen-hang zwischen Verkehrstechnik und Tourismus sowie der Gratwanderungzwischen Naturerschließung und-bewahrung; wofür Bergbahnen ein beson-ders markantes Beispiel sind, da mit ihnen bis dahin weitgehend unberührteGebiete erschlossen werden. Der Autor zielt mit seinen Aussagen zwar aufdie gesamte Schweiz, hat aber drei unterschiedliche Regionen ausgewählt,mit denen er sich ausführlich befaßt: Davos in Graubünden, die Jungfrau-Region Glossar ::: zum Glossareintrag Region im Berner Oberland zwischen Zweilütschinen, Lauterbrunnen undGrindelwald sowie Zermatt in den Walliser Alpen.
Im ersten Teil des Buches beschäftigt sich König, der Professor fürTechnikgeschichte an der Technischen Universität Berlin ist, mit dem Zeit-raum zwischen 1870 und 1914, als die betreffenden Orte einen Bahnan-schluß erhielten, wodurch ein nennenswerter Tourismus erst ermöglichtwurde und in der Folgezeit ständig zunahm. Im zweiten Teil geht es um dieZeit von 1914 bis 1939, welche wesentlich unsteter war: Während des ErstenWeltkrieges blieben die ausländischen Touristen aus, die bis dahin dengrößten Anteil der Reisenden ausgemacht hatten. Es folgte in den 20erJahren eine allmähliche Aufwärtsentwicklung, wobei nun der Anteil derinländischen Gäste bei etwa 50 Prozent lag und eine soziale Ausweitungerfolgte, welche die gesamte Mittelschicht erfaßte. Wirtschaftskrise undDevisenbewirtschaftung führten zwar zu erneuten Einbrüchen, doch war dieSaison nun nicht mehr- abgesehen von Davos( s.u.)- vorwiegend auf denSommer beschränkt, sondern durch den sich etablierenden Schisport auf denWinter ausgeweitet.
Zu den Spezifika der drei untersuchten Regionen: Davos hatte bereits seitden 70er Jahren des 19. Jahrhunderts einen Wintertourismus zu verzeichnen,