2001, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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TAVENRATH, Simone: So wundervoll sonnengebräunt. Kleine Kultur-geschichte des Sonnenbadens. Marburg, Jonas Verlag, 2000, 128 Seiten,s/ w- Abb.
Als ,, Kleine Kulturgeschichte des Sonnenbadens" präsentiert Simone Ta-venrath Ergebnisse ihrer Diplomarbeit. Um den wissenschaftlichen Apparaterleichtert und stellenweise gekürzt hat die Absolventin der EuropäischenEthnologie/ Kulturwissenschaft( Marburg) Geschichten rund um das Ver-hältnis von Menschen zur Sonne für ein breiteres Publikum aufbereitet. Derschmale Band ist aufwendig gestaltet- dauerhaft gebunden, der grafischklar und übersichtlich gehaltene Text zwischen farbenprächtigen, kartonier-ten Buchdeckeln, auf schwerem Papier gedruckt und mit vielen sorgfältigreproduzierten( schwarz- weißen) Abbildungen versehen. Tavenraths Re-cherche beginnt im 19. Jahrhundert, einige Phänomene verfolgt sie einweiteres Jahrhundert zurück; nach und nach führen die Erkundungen bis inunsere- durch Ozonloch und Klimaverschiebungen sensibilisierte- Gegen-wart. Die Kulturwissenschaftlerin konstatiert hohes Körperbewußtsein inunserer Gesellschaft und- infolgedessen?- auch einen Boom des Themasin der geisteswissenschaftlichen Forschung. Trotz dieses großen Interesses,so bemerkt sie, sei die Oberfläche des Körpers bislang vernachlässigt wor-den. Die Autorin versucht aufzuholen: anhand der Kategorien Schönheit,Gesundheit und für die jüngste Zeit- Ökologie geht sie dem Umgang mitder Haut und den verschiedenen, sich wandelnden Bedeutungen und Bedeu-tungsebenen dieses Organs nach. In mehreren Kapiteln erzählt sie dazu dieGeschichte des Sonnenbadens- unter jeweils veränderten Perspektiven undjeweils klar strukturiert von der Vergangenheit ausgehend zu Gegenwärti-gem führend. In diesen Geschichten wird eine grundlegende Pendelbewe-gung der allgemeinen Einstellung zur Sonne auf der Haut deutlich: das erstmedizinisch geprägte Verhältnis entwickelt sich zu einem von ästhetischenKategorien bestimmten, das sich am Ende des 20. Jahrhunderts wiederumin Richtung medizinischer Maßgaben verändert.
Im 19. Jahrhundert galt Sonnenbaden als Therapie für nervöse Kultur-menschen; dieser medizinisch motivierte Trend mündete in Reformbewe-gungen des 20. Jahrhunderts, wie die der Freikörperkultur. In den 1930erund 40er Jahren völkisch- national und politisch aufgeladen, gab es demge-genüber in den 1960er und 70er Jahren große Bemühungen, das hüllenloseSonnenanbeten als Privatsache von ideologischen Überfrachtungen zu be-freien. Medizinische und gesundheitliche Aspekte gerieten dabei in denHintergrund zunehmend ging es allein um die nahtlose Bräune ,, Ästhetik'wurde die bestimmende Kategorie. An Entwicklungslinien wie diesen, quel-lenreich dargestellt anhand von Werbematerial, Ratgeberliteratur, einer brei-