Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
91
Einzelbild herunterladen
 

2001, Heft 1

Literatur der Volkskunde

91

gesund scheinen ihre Strahlen. Unmittelbar nebeneinander sind UV- durch-lässige Bademode und Schutzkleidung auf dem Markt. Noch wären ver-schiedene Strategien des Umgangs mit dem Sonnenbad beobachtbar. Auf-fallend sei die weit verbreitete Dissonanz zwischen dem Wissen um dieRisiken und dem Wunsch nach gebräunter Haut, die nach wie vor alsattraktiv gilt. Auf den Zwiespalt reagiere man mit der Anwendung vonUV- Meßgeräten, teuren Sonnencremes und anderen Produkten sowie demEinhalten von strengen Regeln, schließlich bliebe da noch die künstlicheSonne- von Menschen gemacht und kontrollierbar.

Als Kulturwissenschaftlerin beschäftigt sich Tavenrath mit der Haut alsKommunikationsmittel, als Imageträgerin; die dazugehörende Diskursge-schichte verfolgt sie auf mehreren Ebenen und rollt dabei immer wieder dieEntwicklung von der Medizin über die Schönheit zurück zur Medizin auf.Dies führt zu einigen Wiederholungen, ermöglicht andererseits, daß grund-legende Thesen der Arbeit auch klar werden, wenn man nur ausgewählteKapitel( zwischendurch am Strand) liest. Im Zuge der Lektüre, so der Eindruck,gewinnt man einen sehr weitreichenden Überblick. Selbst beim Betrachten derBilder und Lesen der Bildunterschriften gelingt es, so denke ich, das Wesentli-che der Geschichte des Sonnenbadens zu erfassen. Die Autorin hat für das Buchauf bibliographische Nachweise verzichtet und kommt mit 30 Anmerkungenaus, eine Auswahlbibliographie sowie das Abbildungsverzeichnis bieten neu-gierig Gewordenen aber weiterführende Hinweise.

Nikola Langreiter

NIOLA, Marino: Totem und Ragù. Neapolitanische Spaziergänge.Deutsch von Anton Holzer und Benedikt Sauer. München, LuchterhandLiteratur Verlag, 2000, 168 Seiten, s/ w- Abb.

Zwei recht unterschiedliche Genres scheinen in diesem Buch zu verschmel-zen: das historische ,, Städtelob" und eine ,, Antropologia vicino a casa", wieman die Ethnologie vor der Haustüre in Italien heißt. Marino Niola, geborenund aufgewachsen in Neapel, ist Ethnologe und lehrt das Fach mit Schwer-punkt ,, culture mediterranee an verschiedenen italienischen Hochschulen,zuletzt am ,, Istituto Universitario Orientale Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientale in seiner Heimatstadt. Er hatsich zunächst mit klassischen anthropologischen Themen( e.g. Big Man) anebensolchen Orten( Melanesien) beschäftigt, bevor er die ethnologischeBrisanz der eigenen Kultur entdeckt hat: um Körper und Blut, Brauch undWunder kreisen seine jüngeren Publikationen, und sie beziehen ihr Materialallesamt aus dem italienischen Süden.