Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LV/ 104, Wien 2001, 191-230
Literatur der Volkskunde
TSCHOFEN, Bernhard: Berg. Kultur. Moderne. Volkskundliches aus denAlpen. Wien, Verlag Sonderzahl, 1999, 357 Seiten.
Bernhard Tschofens alpine Auseinandersetzung fand ihren schöpferischen Ab-schluß zu einer Zeit, in der der mediale Alpendiskurs eine bis dahin wahrschein-lich unbekannte Breite erfuhr- wenn auch vor einem tragischen Hintergrund( Galtür 1999). Weit über die österreichischen Grenzen hinweg fand die Bericht-erstattung Niederschlag im kollektiven Bewußtsein, sowohl von Alpinisten alsauch Nicht- Alpinisten. Was u.a. im Quotenprogramm zurückblieb, sind diebereits zum Standard der Wetterfrösche gewordenen Lawinenmeldungen.
Die Alpen- ein Konstrukt, fragt der Autor und möchte zwischen ,, natur-lieber Freizeitnutzung“ der Alpen und dem Gebirge als Natur- und Lebens-raum Korrespondenzen ermitteln, mit dem Ziel, auf das historisch gewach-sene und heute keinesfalls geringere Deutungs- und Bedeutungspotentialdes ,, Alpinen" hinzuweisen. Dabei begibt er sich auf die Fährte wirtschaft-licher Interessen, alpiner Symbolik und deren Produkte, volkskundlicherStellungnahmen sowie deren Wirkungskraft und stellt seinen Zugang ge-wissermaßen selbst zur Diskussion, indem er von ,, Erzählungen vom Histo-rischen als Funktion und Konsequenz der Moderne" ausgeht.
Bernhard Tschofen rüstet sich- man könnte sagen, so wie es sich gehört-für seine Bergtour mit Erkundungen, holt Stichworte heran, um das Alpen-bild der Gegenwart und dessen Funktionalität zu durchleuchten, wirft einenBlick auf die entsprechenden Requisiten, um schließlich auch als Konse-quenz der Materialerhebung eine kleine ,, Metaheimatkunde“, genauer, eineErschließungsgeschichte der Bergwelt Vorarlbergs niederzuschreiben. Erkehrt wieder in das Montafon und da zum Gebirgszug der Silvretta zurück.Schon zu Beginn des Buches führt eine skizzierte Entwicklungsgeschich-te der hauptsächlich vom Bürgertum und in Folge von den durch diesesgegründeten Gebirgsvereinen getragenen Alpenerschließung in das Mon-tafon. Dies geschieht in Begleitung des jungen englischen Bürgers undErstbesteigers des Matterhorns, Whymper. Mit dem Hinweis auf familiäreWurzeln wird die wirtschaftliche Situation eines Alpentales in der zweitenHälfte des 19. Jahrhunderts zum Verständnis der Dissonanz zwischen späterenVorstellungen eines kleinbäuerlichen Alpendorfes und eben der notwendiger-weise flexibel zu gestaltenden wirtschaftlichen Praxis beschrieben.