2001, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Architektur und alpine Ästhetik in Höhenlagen, sie werden Teil des Land-schaftsbildes und sie sind über einige Jahrzehnte hinweg Zeichen desFortschritts im Gebirge. Nicht zuletzt reiht sich die Seilbahn in die Beispielewesentlicher Elemente österreichischen Wiederaufbaus.
Oben angekommen, geht Tschofen in die Praxis über und sieht denAlpinismus als Bestandteil der schaulustigen Moderne. Ausschau halten,Ferne entdecken und mittels Panorama konservieren sowie in Besitz neh-men, das Vermessen der gerade erst bestiegenen Berge und schließlich dieDarstellung der Landschaft in ,, Bergsteigermalerei“ und Fotografie sind inder Folge beschrieben und klären den Umgang mit der alpinen Landschaftwährend ihrer Rekognoszierung zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Weiters werden alpine Exemplare heimatlicher Sehnsüchte präsentiert,wobei der Volkskunde die Erfassung der ,, Allianz von Unterhaltungskulturund, Heimatkunde““ zur Aufgabe gestellt wird.
Schließlich steigt der Autor wieder zu Talin das Montafon heutigenDatums, um dort zu sehen, wie der inhaltlich ,, ewig notleidende" Tourismusunter anderem das Reservoir alpiner Schmuggler- Folklore bemüht. Ananderer Stelle findet sich in diesem Zusammenhang eine kritische Ausein-andersetzung mit der Mythospflege eines Roland Girtler. Tschofen bietetweiters eine Reihe von Beispielen für die Suche eines Tales nach seinerUnverwechselbarkeit, um dabei an Alpengrenzen zu stoßen, wenn er fest-stellt, daß ,, fremde Nachbarschaft einer der Angelpunkte einer MontafonerIdentität“ ist. Entlang der Grenze ortet er eine ,, in Natur aufgehobeneVolkskultur, gesteigert noch durch die Zuschreibung des Alpinen".
Tempowechsel und unterschiedliche Vertiefung innerhalb der einzelnenTextteile sind gewollt und lesbar, denn sie lassen Raum, sich sukzessive indie Bergwelt zu begeben und dabei dennoch den Weg nicht zu verlieren.Denn wenn es schließlich ans Bergsteigen geht, an Ausrüstung, Kleidungund Bereisung, rückt der Autor mit einer reichen Auswahl an Beispielen demTopos des Alpinisten zu Leibe und verweist einmal mehr auf das reflexiveMoment, das dem Alpinismus durch früh begonnene Chronik und Ge-schichtsschreibung eigen ist.
Matthias Beitl
STEINLECHNER, Siegfried: Des Hofers neue Kleider. Über diestaatstragende Funktion von Mythen. Innsbruck- Wien- München, Studien-Verlag, 2000, 190 Seiten.
Im Lauf der Zeit erschien der auf dem Titelbild dieses Buches bis auf denTirolerhut splitternackte Andreas Hofer in verschiedensten Kleidern- zu-