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Literatur der Volkskunde
ÖZV LV/ 104
HistorikerInnen) bzw. grenzt sich ab( von der Historiographie in Tirol).Darauf folgt ein theoretischer Block zu Mythos, Identität, Rezeptionsge-schichte und Gedenkfeiern- stellenweise wirken diese Abhandlungen zuwenig durchdacht, sie sind nicht immer ganz klar und durchgängig in ihrerArgumentation. Sie wären schlüssiger geworden, hätte der Autor die Be-griffsklärungen konkreter mit dem Thema verbunden. Mehrfach deutet er,, Problemchen“( S. 17) mit Archiven an, einige dieser Institutionen hattenes geradezu darauf angelegt, so scheint es, seine Forschungen zu behindern.Generell stellt Siegfried Steinlechner gerne klar, wer Freund und wer Feindist( so wirft er den Innsbrucker ZeithistorikerInnen gewissermaßen vor, daßsie ihre Aufgaben nicht wahrnähmen und hat keine Scheu, anderen, einemprominenten Politikwissenschaftler z.B., Lob auszusprechen).
Darüber hinaus könnte man kritisieren, daß das Anbringen der Zitate amEnde des Bandes ziemlich leserInnenunfreundlich ist, noch dazu unterteiltin Belege zu den im Fließtext eingebauten Zitatstellen und jenen wörtlichenZitaten, die sich im gesamten Text grafisch abgesetzt an den Seitenrändernfinden. Letztere stehen da mitunter eher unvermittelt, der Sinn ihrer beson-deren Hervorhebung ist mir nicht klar geworden. Das Lektorat hätte den Autorauf so manche Widersprüche und ,, Schlampereien"( Vater und Sohn Paul undThomas Flora werden durcheinandergebracht) aufmerksam machen können,auch darauf, daß das vierseitige Kapitel zur Darstellung Hofers in Schulbüchernder 1980er und 90er Jahre nicht wirklich aussagekräftig ist.
Nachdem Steinlechner immer wieder die Rolle der HistorikerInnen beider Perpetuierung traditioneller Identifikationsangebote anspricht und aufdie Konjunktur der Themen( in Wissenschaft und Literatur) in Verbindungmit Jubiläen zu runden Jahrestagen aufmerksam macht, endet er mit derFrage, wie denn die Feierlichkeiten ,, 200 Jahre Tiroler Freiheitskampf"stattfinden werden können, wie es dann um den Mythos Andreas Hoferbestellt sein werde- Spannung bis 2009.
Nikola Langreiter
BUBLITZ, Hannelore, Christine HANKE, Andrea SEIER: Der Gesell-schaftskörper. Zur Neuordnung von Kultur und Geschlecht um 1900. Frank-furt am Main- New York, Campus Verlag, 2000, 324 Seiten u. 3 SeitenDokumentenanhang.
Um 1900 wurde ,, Kultur“ zum zentralen Leitmotiv verschiedenster wissen-schaftlicher und politischer Debatten: ,, Überall Cultur und kein Ende", wieRobert von Nostitz- Rieneck in seiner 1888 erschienenen Abhandlung über