2001. Heft 2
Literatur der Volkskunde
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nismus als Schnittstelle der Rationalisierung von Arbeit, Bevölkerungspo-litik und Sexualität( Hannelore Bublitz) beschäftigen.
Die vorliegende Untersuchung verdeutlicht eines ganz klar: Die Zusam-menführung verschiedener Diskursstränge macht zahlreiche Verbindungenund Überschneidungen gesellschaftlich zentraler Debatten der Zeit um 1900sichtbar und eröffnet neue Perspektiven auf bislang meist getrennt vonein-ander wahrgenommene Felder. Die Komplexität der Untersuchungsgegen-stände und die Vielfalt der Verbindungen, die dadurch zutage treten, kannneben der Klärung des Blicks jedoch durchaus auch Verwirrung stiften:Manchmal erschlägt einen der Eindruck, daß ,, irgendwie alles mit allemzusammenhängt“. Die Textteile von Hannelore Bublitz sind teilweise ermü-dend redundant und in einem sehr eingeschränkt anmutenden, auf wenigeBegrifflichkeiten reduzierten diskursanalytischen Vokabular abgefaßt, wo-durch die Geduld beim Lesen hie und da überstrapaziert wird, da derberühmte rote Faden immer wieder zu entwischen droht. Insgesamt handeltes sich jedoch um eine sehr anregende und in mehrfacher Hinsicht gewinn-bringende Analyse zentraler gesellschaftlicher Diskursfelder um 1900, diedas Verständnis für die zeitgenössischen Kulturdebatten ebenso voranzutrei-ben vermag wie jenes über das Geschlecht und den Körper in ihren zahlrei-chen Thematisierungen und Problematisierungen. Hervorzuheben ist auchdie in der praktischen Ausführung großteils gelungene- Intention, theo-retisch- methodische Fragestellungen mit konkretem historischem Materialzu verknüpfen und dabei beiden Ebenen gerecht zu werden.
Susanne Breuss
OPITZ, Claudia, Ulrike WECKEL, Elke KLEINAU( Hg.): Tugend, Ver-nunft und Gefühl. Geschlechterdiskurse der Aufklärung und weibliche Le-benswelten. Münster- New York- München- Berlin, Waxmann Verlag, 2000,366 Seiten, einige SW- Abb.
Der vorliegende Sammelband ist aus mehreren an den Universitäten Ham-burg und Basel durchgeführten Kolloquien zur Frauen- und Geschlechter-geschichte der Aufklärung hervorgegangen. Die Beiträge dokumentierenanhand von Fallstudien, daß die Geschlechterdebatte im 18. Jahrhunderterheblich vielstimmiger war, als dies von der Forschung bisher wahrgenom-men wurde die Frauen- und Geschlechterforschung neigte häufig dazu,vor allem die Kosten der Aufklärung für die Frauen ins Visier zu nehmenund die Fragestellungen auf eine starre Dichotomie von Gleichheit versusDifferenz zuzuspitzen. Der Titel des Bandes nimmt drei Begriffe auf, die zu