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Literatur der Volkskunde
ÖZV LV/ 104
Spurensuche eine bloße Aneinanderreihung von ,, Fundstellen" entsteht, wiedies bei nicht wenigen Kulturgeschichten gerade von solch( scheinbar),, abgelegenen" oder nicht ganz ,, salonfähigen“ Themen der Fall ist. Men-ninghaus versteht es, die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung desEkels herauszuarbeiten und in seiner historischen und theoretischen Dimen-sion nachvollziehbar zu machen. Dabei ist seine Darstellung anschaulichund spannend zu lesen, ohne daß er in effekthascherischer Weise mit der,, Gruseligkeit" seines Materials spekulieren würde. Egal, ob durch Geruch,Tastsinn, Auge oder Intellekt ausgelöst- der Ekel durchdringt den Körper,so weit als in ihm Leben ist, wie Kant in seiner Anthropologie in pragmati-scher Hinsicht konstatierte, stets schlagen Ekelempfindungen auf das ganzeSystem der Nerven durch. Menninghaus gelingt es einerseits, diese Dimen-sionen des Ekels plastisch vor Augen zu führen und andererseits das Refle-xionsvermögen über solche elementaren und heftigen Empfindungen vor-anzutreiben und in größere historische und theoretische Zusammenhängeeinzubinden.
Susanne Breuss
BLAIKIE, Andrew: Ageing& Popular Culture( Alt werden und populäreKultur). Cambridge University Press, Cambridge 2000, 247 Seiten, Abbil-dungen.
In einer Zeit, in der Jugend und Schönheit in der Gesellschaft teuere Valutenvorstellen, hat Andrew Blaikie ein Werk geschrieben, das die Ergebnisse derForschung über Altern und Altsein in der sozialen und politischen Dimen-sion vor allem in Großbritannien vorstellt. Es geht im Folgenden um eineder ersten Arbeiten, die das Entstehen der Stereotypen zu enthüllen versuchtund die gleichzeitig zeigen möchte, wie sie heutzutage verschwinden. Blai-kie bemüht sich um die ,, Dekonstruktion“ der Stellung der ältesten Genera-tionsschicht( als einer sozialen Gruppe, aber auch ihrer einzelnen Mitglie-der), die sich entschieden hat, das eigene Leben selbst in die Hände zunehmen. Er argumentiert, dass die Modernisierung, Marginalisierung und,, Medikalisierung“ eine starke Altersstratifikation der Gesellschaft unter-stützt hat. Mit Entfaltung der Konsumkultur, samt der Erweiterung derMöglichkeiten für Personen im dritten Alter, wird diese Stratifikation heut-zutage allmählich zerstört.
Blaikie geht nicht davon aus( S. 26)( und er konnte dies auch nicht), dasser zu einer monolithischen Theorie über Altwerden und Altsein gelangenwird. Der gemeinsame Nenner von einzelnen Kapiteln ist deshalb die Suche