2001, Heft 2
Literatur der Volkskunde
213
sche Operationen, die das Requisit auf der Bühne erst zum spannungsrei-chen Ding machen. Mit diesen hat sich Klotz, gewissermaßen als Zugabe,noch in drei kurzen Betrachtungen auseinandergesetzt, wo er das Verfahrenumkehrt und von den gattungsspezifischen Eigenarten, von den epochege-schichtlichen Merkmalen auf das dramaturgische Detail zielt. Und auch hierbewährt sich, was Klotz im Nachwort als seine Methodik ausweist: dievernachlässigten Sachverhalte der Literatur in Augenschein zu nehmen,kanonisierte Blickwinkel zu ignorieren und vor allem sich überraschen zulassen. ,, Es geht auch anders, doch so geht es auch", wird da François Villonzitiert. So, muß man nach der animierenden Lektüre dieses Buches sagen,geht es vor allem.
Christian Rapp
WEINZIERL, Rupert: Fight the Power! Eine Geheimgeschichte derPopkultur& die Formierung neuer Substreams. Wien, Passagen Verlag,2000, 286 Seiten.
Die realpolitischen Veränderungen des vergangenen Jahres in Österreichhaben ohne Zweifel auch einen gewissen Teil der nationalen( Jugend-) Sze-nen geprägt. Nach dem Amtsantritt der neuen Regierung im Februar 2000fanden verschiedenste Arten des Engagements statt, je nachdem, was unterdem Begriff des ,, Politischen Handelns" verstanden wurde. Eine dieserInitiativen nennt sich ,, volkstanz.net", eine Plattform, die zu einem großenTeil von DJs getragen wird und mit dem Mittel der ,, Soundpolitisierung“ihre Anliegen artikulieren möchte. Rupert Weinzierl, selbst einer ihrerAktivisten, portraitiert nun in seinem Buch diese Plattform und nimmt ihreInhalte zum Ausgangspunkt für umfangreichere Überlegungen über dasVerhältnis von Populärkultur zu Politik. Denn seiner These nach steht,, volkstanz.net" als zeitgemäßer Ausdruck dissidenter Haltung in einerReihe von ,, Allianzen zwischen Pop und( meist mikro-) politischen Wider-standsbewegungen“, die es im Laufe der letzten vierzig Jahre Popgeschichtegegeben hat.
Im Hauptteil nimmt der Autor die Beschreibung dieser Geschichte auchselbst in Angriff. Dabei gerät er von Anfang an in ein Verwirrspiel derBegriffe, das er seiner eigenen Sorglosigkeit ihren Bedeutungen gegenüberund seinem außerordentlichen Selbstbewusstsein verdankt, mit dem er so-wohl eine ,, historische Analyse", eine ,, Dissidenzgenealogie" als auch eine,, moderne Heldensage“ anstrebt. Auch hat er in der Einleitung noch einenbreiten ,, Pop"-Begriff vor Augen, der Pop- und Dancefloormusik, Teile der