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Literatur der Volkskunde
ÖZV LV/ 104
Im Grunde ist Rupert Weinzierl das ganze Buch über nur eine einzigeThese wirklich wichtig, die er wie folgt formuliert: ,, Das Problem affir-mativer Haltungen liegt also in der politischen Blindheit[...] gegenüber derneoliberalen Hegemonie, an der Ausklammerung der Obszönität des Macht-dispositivs" und deshalb müsse die ,, immer noch zu puritanisch agierendeLinke[...] der Hedonisierung breiter Bevölkerungsschichten[...] Rechnungtragen". ,, volkstanz.net" habe das erkannt und trete mit ,, Partyaktivismus“und ,, Guerilla- Semiotik“ den Kampf um die kulturelle Hegemonie gegendie neue Rechte an. Unter soviel Aktivismus hat leider Rupert Weinzierlsmethodische Herangehensweise, hat die Überprüfung seiner Thesen gelit-ten. Was die österreichischen( Jugend-) Szenen betrifft, die durch die politi-schen Veränderungen geprägt wurden, beinhaltet diese Arbeit aber zweiwertvolle Hinweise: ,, Wir können es uns nicht leisten, blind gegen einesolche Entwicklung zu sein[...]; und wir können es uns auch nicht leisten,uns durch sie blenden zu lassen[...]."
Elisabeth Prinz
1 Frith, Simon: Das Gute, das Schlechte und das Mittelmäßige. Zur Verteidigungder Populärkultur gegen den Populismus. In: Bromley, R., U. Göttlich, C. Winter( Hg.): Cultural Studies. Grundlagentexte zur Einführung. Lüneburg 1999,S. 191-214, hier: S. 198.
2 Clark, J., S. Hall, T. Jefferson, B. Roberts( Hg.): Subkulturen, Kulturen undKlasse. In: Jugendkultur als Widerstand. Frankfurt am Main 1979, S. 39–133,hier S. 40.
KLODNICKI, Zygmunt( Ed.): Slask Schlesien Slezsko Przenikanie Kultur.Muzeum narodowe we Wrocławiu, Wrocław 2000, 167 Seiten, Farb- undSchwarzweißbilder, Karten, geographisch- ethnisches Register, Res. in Engl.Anlässlich des tausendjährigen Bestehens der Stadt Wrocław( dt. Breslau)wurde eine Ausstellung veranstaltet und eine repräsentative Publikationherausgegeben, die den Prozessen der Formung der Volkskultur auf demGebiet Schlesiens mit einem Akzent auf der Region Niederschlesien gewid-met ist. Diese Region mit Zentrum in Wrocław unterschied sich in einemwesentlichen Teil ihrer Kultur stets von den übrigen Gebieten Schlesiens( Oppeln, Oberschlesien und Teschen). Niederschlesien war eine typischemultiethnische und multireligiöse Region, was vor allem auf historischePeripetien zurückzuführen ist. Dieses Gebiet gehörte seit dem 10. Jahrhun-dert nacheinander den polnischen Piasten, zum Königreich Böhmen, zurÖsterreichisch- Ungarischen Monarchie, zum Preußischen Königreich, zum