Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
219
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2001, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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aller drei Nationen, auf deren Gebiet sich das historische Schlesien ausbrei-tete, daran beteiligt sind. Es ist ein gelungener Versuch einer überethnischenBetrachtung einer der wichtigen europäischen Kulturregionen und ein be-deutsamer Beitrag zur modernen europäischen Kulturregionalistik. DasBuch mit seinem Inhalt, seiner Botschaft und der schönen Gestaltung ist einwürdiger Beitrag zu den Feiern des ersten Jahrtausends der Stadt Wrocławund des zweiten Jahrtausends der christlichen Geschichte Europas.

Rastislava Stoličná

SCHMIED, Gerhard: Lieber Gott, gütigste Frau... Eine empirischeUntersuchung von Fürbittbüchern. Konstanz, Univ.- Verlag, 1998(= Passa-gen& Transzendenzen 4), 137 Seiten.

Die vorliegende Untersuchung des Religionssoziologen Gerhard Schmiedist das Ergebnis einer Auswertung von insgesamt 4.664 Eintragungen aussieben deutschen ,, Fürbittbüchern", die der Autor 1995/96 durchführte. DieBücher liegen in unterschiedlichen lokalen Kontexten auf, die aus Gründender Anonymität nicht spezifiziert werden, was im Hinblick auf vorliegendeund zukünftige Vergleichsstudien sicher zu bedauern ist.

Den Autor faszinierte ,,, daß hier interessantes, aussagekräftiges Materialnicht erhoben werden mußte, sondern bereitlag.[...] Als Manko erwies sichallerdings, daß sich die erfaßten Gebete für eine Auswertung, die aufrigorose Eindeutigkeit setzt, nur als begrenzt geeignet erwiesen. ,, RigoroseEindeutigkeit in der Textanalyse! Könnte es sein, daß es sich umgekehrtverhält und sich eher dieses Ansinnen als ,, begrenzt geeignet erweist?( Umberto Eco läßt grüßen!)

Bereits in Inhaltsverzeichnis und Vorwort fällt auf, daß der Autor davonausgeht, daß es sich bei den Eintragungen um ,, Gebete" handelt:, Fürbitt-bücher liegen in zahlreichen Kirchen aus, und die Besucher der Gotteshäu-ser können ihre Gebete darin eintragen. Kapitel 1 trägt die Überschrift:,, Das Beten in den Sozialwissenschaften, Kapitel 2:, Dimensionen desGebetes", darunter: ,, Fürbittbücher als Sammlungen geschriebener Gebe-te" usf. Wir erfahren durchaus interessante Aspekte zum Thema Gebet, zumrezenten Gebetsverhalten, über funktionale Unterschiede des mündlichenund schriftlichen Gebetes, über soziale Dimensionen des Betens, übervergleichbare Beispiele des Anliegenschreibens im Judentum, Shintoismusund Buddhismus. Was wir jedoch nicht erfahren, ist eine Begründung, mitder sämtliche, nicht als Gebet klassifizierbare Texte, von der Untersuchungausgeschlossen werden. Selbst bei oberflächlichem Durchsehen und Blät-tern in sogenannten Fürbitt-, Anliegen-, Pilger- oder Gedenkbüchern muß