Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
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2001, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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Brauchbeschreibung bildet die Grundlage der Abhandlung. Gleichzeitigwerden literarische Quellen berücksichtigt sowie fotografische Dokumentedie in die Überlegungen und Argumentationen eingebaut sind. Überra-schend geht der Autor dabei auch auf fruchtbarkeitskultische Deutungen ein.Auch wenn die Thesen eines solchen Ursprungs spekulativ bleiben müssen,setzt sie Trübswasser in Zusammenhang mit dem Funktionswandel desBrauches. Danach ist es der Tourist, der Fruchtbarkeit bringt, indem er zahlt( S. 128). So steht nicht nur der Brauch, wie der Verfasser schreibt, imSpannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, die ganze Brauchmono-grafie scheint diese Interdependenz widerzuspiegeln.

Karl Christoph Berger

UTVARY, Inge: Vom ,, Stoaklopfer zum Bergarbeiter. Arbeits- und Le-benswelt der Veitscher Magnesit- Bergarbeiter. Frankfurt am Main- Berlin-Wien, Peter Lang, 1999(= Beiträge zur Volkskunde und KulturanalyseNF 2), 218 Seiten, 30 Abb.

Ein bekanntes montanistisch- geologisches Bonmot lautet: ,, Österreich istreich an armen Lagerstätten. Damit wird zum Ausdruck gebracht, daß esin unseren Alpen zwar fast die ganze Bandbreite begehrter industrie- undwirtschaftswichtiger Mineralien gibt, diese aber nicht in genügender Mengevorkommen, um heute in ökonomisch vertretbarer Weise abgebaut werdenzu können. Gerade dieses Moment führte in den letzten fünfzig Jahren zurEinstellung der meisten Kohle- und Eisenerzbergbaue. Die noch verbliebe-nen wie der Steirische Erzberg sind auch bereits in absehbarer Zeit vomendgültigen Zusperren bedroht. Damit verliert das heimische Montanwesennicht nur seine historisch oft sehr weit zurückzuverfolgenden Produktions-stätten. Es geht auch innerhalb von etwa drei Generationen der größte Teildes kulturellen Hintergrundes verloren, der eine berg- oder auch hüttenmän-nisch dominierte Region auszeichnete und für den man in der Volkskundeden Begriff der Montankultur geprägt hat.

Bekanntlich beschäftigt sich die Volkskunde noch nicht sehr lange mitdieser Sonderkultur. Volkskunde verstand sich in ihrer frühen wissenschaft-lichen Phase nahezu ausschließlich als Wissenschaft von der bäuerlichenWelt und ihrer Kultur. Selbst in Victor von Gerambs Sammlungen zu einemgeradezu ,, klassischen" Bergbauland wie der Steiermark wird man vergeb-lich nach Objekten aus der Lebenswelt des Berg- und Hüttenmannes suchen,es sei denn, es handelte sich um besonders repräsentative Beispiele etwa derVolkskunst, Frömmigkeit und Kleidung.