2001, Heft 3
Chronik der Volkskunde
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Nationales Selbstverständnis und der Umgang mit den,, Anderen" im multiethnischen Staat
Die Deutschen in der Slowakei gestern und heuteInternationale und interdisziplinäre Tagung, Freiburg im Breisgau,8.- 11.Oktober 2000
Das verstärkte Interesse an Fragen der Interethnik, an altem und neuemNationalismus, an Geschichte und Selbstverständnis einzelner Sprachgrup-pen im östlichen Mitteleuropa führte in den letzten Jahren zu einer Reihevon wissenschaftlichen Aktivitäten- auch in der und über die Slowakei, dieim Mittelpunkt der hier anzuzeigenden Veranstaltung stand.
Schon in seiner Begrüßung am Abend des ersten Tagungstages hob MaxMatter( Organisator des Symposiums und geschäftsführender Direktor desInstituts für Volkskunde der Freiburger Universität, wo die Veranstaltungstattfand) die Problematik von Begriffen wie Ethnik und Interethnik unddamit auch die Relevanz des Tagungsthemas im allgemeinen hervor; erstellte ferner die Frage, ob nicht die Volkskunde/ Europäische Ethnologieeine Mitschuld habe an der gegenwärtigen, durchaus unerfreulichen Ent-wicklung der Abwertung und Ausgrenzung ganz bestimmter ,, Anderer" undden daraus resultierenden sogenannten ,, ethnischen“ Konflikten, indem siediese nicht oder nur unzureichend hinterfrage und problematisiere. SeinPlädoyer galt somit der Forderung nach einem stärkeren ,, Hineindenken" indie ,, andere Seite".- Grußworte sprachen auch Oskar Marczy( als stellver-tretender Vorsitzender des von Matter geleiteten Vereins zur Erforschungund Förderung interkultureller Forschung in der Slowakei) und Hans- Wer-ner Retterrath vom benachbarten Johannes- Künzig- Institut für ostdeutscheVolkskunde.
Im anschließenden Eröffnungsreferat( ,, Zum Selbstverständnis der Deut-schen in der Slowakei und ihrem Umgang mit anderen, Volksgruppen")ging Max Matter auf das Verhalten der deutschsprachigen Minderheit in derSlowakei ab Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Er beschrieb den Prozeß der( Er-) Findung eines deutschen Nationalgefühles, das die Deutschen schließ-lich dazu brachte, in einem aufgeheizten und-gehetzten Klima das bislangfriedliche Zusammenleben aufzukündigen- und er erwähnte auch die Na-men jener, die daran maßgeblich beteiligt waren( beispielsweise FranzKarmasin). Weiters betonte der Vortragende, daß die Politik im allgemei-nen- bereits durch die Friedensverträge nach dem Ersten Weltkrieg- an derAufschaukelung nationalistischer Gefühle ebenso mitschuldig wurde wiedie völkisch- bündischen Vereinigungen, welche die Deutschsprachigen alshomogene Leidens- und Lebenseinheit sahen und einen dadurch unabding-