2001, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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Zusammenarbeit notwendig sind als Konstitutionsbedingungen postmoder-ner Arbeitsgemeinschaften und die letztlich das Ziel haben ,,, dem anderenMenschen die bestmöglichen Bedingungen( Produktions- und Konsumti-onsmittel) für seine Entwicklung bereitzustellen."
Der letzte und längste Aufsatz stammt von Stefan Brotbeck, Lehrbeauf-tragter an der Universität Basel. In ,, Arbeit und Zeit- Elemente für einetransmaterialistische Philosophie der Arbeit“ formuliert er u.a. ,, Anregun-gen zu einem erweiterten Selbstverständnis des arbeitenden Menschen",wobei für die Zukunft- und da stimmen die drei Verfasser weitestgehendüberein- die schon im Titel von Macarovs Beitrag anklingende ,, Entkop-pelung von Arbeit und Einkommen“ ein vorrangiges Ziel wäre, um, soBrotbeck ,,, den Tätigkeitsbegriff vor seiner ökonomischen Verkürzung zubewahren." Voraussetzung dafür ist eine existentielle Grundsicherung, dieauch ermöglichen soll, dass aus der jetzigen Freizeit eine ,, Zeit der Freiheit"wird: Freie Zeit für individuelle Freiheit und Initiative, ergänzt um Sozial-zeit für soziale Verantwortung und gesellschaftliche Partizipation sowie umErwerbszeit zur Befriedigung regenerativer Bedürfnisse.
Wann und wie( und ob) es im 21. Jahrhundert zur Befreiung des Men-schen von Arbeit im herkömmlichen Sinne kommen wird, bleibt nach derLektüre des anregenden Bandes selbstverständlich offen; was jedenfallsbleibt ist die Hoffnung auf diese Befreiung, der schon Hannah Arendt( ineinem auch von Brotbeck herangezogenen Zitat) im 20. Jahrhundert Aus-druck verliehen hat: ,, Die Neuzeit hat im siebzehnten Jahrhundert damitbegonnen, theoretisch die Arbeit zu verherrlichen, und sie hat zu Beginnunseres Jahrhunderts damit geendet, die Gesellschaft im Ganzen in eineArbeitsgesellschaft zu verwandeln. Die Erfüllung des uralten Traums trifftwie die Erfüllung von Märchenwünschen auf eine Konstellation, in der dererträumte Segen sich als Fluch auswirkt. Denn es ist ja eine Arbeitsgesell-schaft, die von den Fesseln der Arbeit befreit werden soll, und diese Gesell-schaft kennt kaum vom Hörensagen die höheren und sinnvollen Tätigkeiten,um derentwillen die Befreiung sich lohnen würde."
Olaf Bockhorn
BELTING, Hans, Dietmar KAMPER( Hg.): Der zweite Blick. Bildge-schichte und Bildreflexion. München, Wilhelm Fink Verlag, 2000, 291Seiten.
Der erste Blick aufs Bild war noch geprägt von einem differenzlosen Gefühleines ,, Im- Bilde- Seins“. Eine durch die modernste ,, Bilderflut“ ausgelösteVerunsicherung markiert nun eine Differenz und kommt auch in der Frage: