Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
353
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2001, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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EHMER, Josef, Peter GUTSCHNER( Hg.): Das Alter im Spiel derGenerationen. Historische und sozialwissenschaftliche Beiträge. Wien,Köln, Weimar, Böhlau, 2000, 437 Seiten.

Im Vorwort erklären die beiden Herausgeber, warum sie die( für mich immerwieder irritierende) Metapher des Spiels für den Titel ausgewählt haben: Siesteht für die Idee, dass Menschen unterschiedlichen Alters als AkteureBeziehungen selbst gestalten, übereinstimmend oder konfliktreich, in Kon-kurrenz zueinander oder solidarisch Ziele verfolgend. Von diesem Aus-Ge-gangspunkt aus richten AutorInnen verschiedenster Fachbereicheschichte( Wirtschafts- und Sozialgeschichte), Sozialwissenschaft und Al-tersforschung- den Blick auf Komplexität und historische Variabilität vonGenerationenbeziehungen, unter anderem mit dem Ziel, die Sensibilität fürrezente Formen und die Kommunikation darüber zu verbessern.

Josef Ehmer leitet in diesem Sinne ein mit einem Aufsatz zu Alter undGenerationbeziehungen im Spannungsfeld von öffentlichem und privatemLeben. Er vermittelt einerseits einen Einblick in den aktuellen öffentlichenDiskurs über das Alter, der geprägt ist von Ambivalenzen, von teils konträ-ren Sicht- und Sprechweisen( vom Bild der, farblosen Gerontos' bis zurRede vom, Diktat der Alten'[ S. 16]). Andererseits liefert er einen Überblicküber den Sammelband und stellt die Texte in einen Zusammenhang. Ehmerkritisiert, dass die Sozialwissenschaften gegenwärtige Generationenbezie-hungen in jenem Maße idealisierten, in dem sich JournalistInnen allein aufderen konflikthafte Ebene( den brüchigen Generationenvertrag etc.) kon-zentrierten. So definiert er ein weiteres Anliegen des Bandes: das Bemühen,ja die Notwendigkeit, den Forschungsstand zu relativieren bzw. kritisch zureflektieren; zentral soll die Ebene des Diskurses sein- es geht um Bilder,Zuschreibungen, Deutungsmuster im öffentlichen und privaten Raum unddazwischen.

Der programmatischen Einleitung folgen 13 Aufsätze und Fallstudien,die sich auf den mitteleuropäischen Raum in der Zeit vom 17. bis ins20. Jahrhundert beziehen. Der erste von vier größeren, umfassenden Textenist mit ,, Politik und Öffentlichkeit überschrieben. Christoph Conrad setztsich mit der ,, Sprache der Generationen im Zusammenhang mit der Krisedes Wohlfahrtsstaates auseinander, genauer: mit der Problematik hinterSprache und Sichtweise. Neben derjenigen von Kapital und Arbeit, Staatund Bürgern, Frauen und Männern sowie Weißen und Andersfarbigen isteben die Sprache der Jungen und Alten eine der, Sprachen, in denenWohlfahrtsstaaten beschrieben und begründet werden( S. 66). Conrad ana-lysiert die öffentliche Diskussion in dieser, Sprache der Generationen' undbeschäftigt sich dabei mit Konflikten zwischen Interessengruppen, zwi-