2001, Heft 3
Literatur der Volkskunde
357
dementsprechend in ihren wichtigen Funktionen für die Familie präsenterals Männer, im Zusammenhang mit Kinderbetreuung, Haushaltsführung,Pflege der verwandtschaftlichen Beziehungen usw. Am Arbeitsplatz erfuh-ren betagte ArbeiterInnen keine Schonung- weder seitens der Unternehme-rInnen noch der jüngeren KollegInnen; da steht die Realität völlig imWiderspruch zu den Wunschbildern der organisierten Arbeiterbewegung,zum Mythos etwa vom ,, ehrwürdigen Arbeitsveteran“( S. 405).
Individuelle Gefühle und gesellschaftliche Normen, Emotionen und In-teressen machen den Kitt zwischen den Generationen aus. Vordringlich undletztendlich scheint es jedoch immer wieder um Materielles zu gehen; dieseEbene ist folglich in vielen Beiträgen sehr präsent, dennoch erschöpfen sichdie Abhandlungen nicht im Materiellen. Der Sammelband zeigt, dass es sichimmer wieder lohnt, scheinbar abgesicherte Forschungsergebnisse kritischzu befragen und unter Einbeziehung bislang vernachlässigter Quellen undZugänge neue Perspektiven zu entwickeln.
Nikola Langreiter
SZADKOWSKI, Karin: ,, Und die Wellen, die kennen wir ja schon beimNamen." Butterfahrten. Ein volkskundlicher Beitrag zur Altenkulturfor-schung(= Europäische Hochschulschriften: Reihe 19, Volkskunde, Ethno-logie: Abt. A, Volkskunde, Bd. 50). Frankfurt am Main u.a., Peter Lang,2000, 300 Seiten.
Die Wellen kennen sie schon beim Namen, die Stammgäste der Butterdamp-fer, jener Schiffe, die auf Nord- und Ostsee zwischen der deutschen unddänischen Küste verkehren. An Bord können Zigaretten und Alkoholika,auch Kaffee und Parfumerieartikel zoll- und steuerbegünstigt eingekauftwerden. Die Schiffe legen nur kurz an der dänischen Küste an, um denZollbestimmungen Genüge zu tun und kehren wieder in den Ausgangshafenzurück. Die Bezeichnung ,, Butterfahrt“ datiert aus der Nachkriegszeit: VieleJahre gehörten billige landwirtschaftliche Produkte, vor allem Speisefettund insbesondere Butter( als Symbol der 50er Jahre für gutes und anspruchs-volles Essen, S. 168) zu den wichtigsten Bestandteilen des Angebots anBord. Nun steht das Ende dieser Art des Grenzverkehrs bevor- im Zuge derEU- Homogenisierungsmaßnahmen wird der Duty- Free- Einkauf abge-schafft; dieser aber stellt die Haupteinnahmequelle der Reedereien dar undermöglicht zudem die niedrigen Preise der Fahrkarten.
Karin Szadkowski thematisiert nicht, dass sie geradezu fachtypischagiert, indem sie sich, Verschwindendem' zuwendet, dennoch reflektiert sie