Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
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2001, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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lässt diese Art der Gleichgültigkeit gegenüber der Grenze von Dichtung undWahrheit das gewissermaßen hilflose Gefühl, dem hier Gebotenen insge-samt ohne Überprüfungsmöglichkeit- wie sie etwa ein Anmerkungsteilböte- ausgeliefert zu sein. Einen solchen Anmerkungsteil hat das Original-manuskript übrigens, und zwar in extenso, aufgewiesen. Dass er zur Gänzegestrichen wurde, ist umso bedauerlicher, als er so manches an entlegener,im nun vorliegenden bibliographischen Anhang zum Teil nicht mehr berück-sichtigter Literatur enthalten hat. Wie ja auch die Kürzungen im Text oft desGuten zu viel getan und interessante Details unter den Tisch fallen lassenhaben beispielsweise diverse Angaben( samt dazugehörigem Nachweis)zur Person des ,, Prähistorikers" und Mediziners Leopold Rütimeyer, auf dieder fachhistorisch Interessierte dankbar zurückgreifen hätte können. All dasuntergräbt- um hier nicht mit einer Pflichtübung in rhetorischer Höflichkeitzu enden- doch bis zu einem gewissen Grad die verdienstvollen Bemühun-gen des Autors, eine Lücke in der personenorientierten Fachgeschichts-schreibung der österreichischen Volkskunde zu schließen.

Herbert Nikitsch

ÖHLINGER, Walter: Wien im Aufbruch zur Moderne(= GeschichteWiens, Bd. V) Salzburg, Verlag Pichler, 1999, 208 Seiten, zahlreiche Farb-und Schwarzweißabbildungen.

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Abenteuerlich( und das meine ich nicht polemisch) mag man das Unterfan-gen nennen, eine Überblicksdarstellung zur Geschichte Wiens, hier des19. Jahrhunderts( aber eben auch zur Geschichte Österreichs, Europas etc.)zu verfassen angesichts eines Wissens, das sich unter Beteiligung derunterschiedlichsten Kulturwissenschaften mit zunehmender Geschwindig-keit vervielfältigt. Gleichzeitig aber kommt man, ob als Leser oder als Autor,nicht ohne die Zusammenschau aus und ist froh und dankbar, wenn sichjemand auf dieses Abenteuer des Überblicks eingelassen hat. Es ist undbleibt ein Dilemma, das sich nicht auflösen lässt, auf das wir vor demHintergrund sich auffächernder Informationsumwelten zunehmend stoßenwerden.

Der Band von Walter Öhlinger hinterlässt nach einem ersten Querlesenden Eindruck einer konventionellen, also verlässlichen Beschreibung, dieder Chronologie jener, durch die Geschichtswissenschaften als entschei-dend' ratifizierten Ereignisse folgt, und die eine relativ breit angelegteÜbersicht bietet über die Geschichte Wiens im vorvergangenen Jahrhundert.Da wird der Krieg gegen Frankreich abgehandelt, der Wiener Kongreß, die