Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
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2001, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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Es sind gerade auch liebgewonnene Legenden wie die vom RotenWien, die Mattl hier ankratzt, wenn er beispielsweise zur sozialdemokra-tischen Wohnbaupolitik anmerkt: ,, Strukturpolitisch hingegen erweist sichdie Ära des, Roten Wien', die an der Blockverbauung und am Mietshoffesthielt, sogar als konservativ bzw. konservierend...( S. 126) Mattl weistnach, wie in den verschiedenen Parteien und zu unterschiedlichen Zeiteneine antimoderne und antiurbane Haltung wirksam war und wie diese immerwieder zur Mobilisierung von Wählerschichten aktiviert wurde. Eine Son-derstellung in der Wienerischen Version politischer und populistischer In-szenierung nehmen dabei die Bürgermeister der Stadt ein. Mattl vergleichthier ,, Luegers Stil der Machtausübung durch Charisma( S. 89) mit demje-nigen des Sozialdemokraten Helmut Zilk seit den 70er Jahren( vgl. S. 32-37und S. 88-90). Im Wiener Polit- Spektakel auch der mittlerweile eingeleite-ten postfordistischen Phase der Stadtregierung ist es immer wieder dieseranti- großstädtische Impuls, der durchaus neben Re- Urbanisierungsbe-mühungen ausgespielt wird.

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Siegfried Mattls Geschichte Wiens im 20. Jahrhundert, hier freilich starkverkürzt vorgestellt, bietet ungewohnte, auch unbequeme Lesarten an fürdie Entwicklung einer Metropole, die die meiste Zeit keine sein wollte. Esist eine facettenreiche, eine so präzise wie anschauliche Darstellung derStadtgeschichte im 20. Jahrhundert, die dazu anregt, sich in bestimmteAspekte zu vertiefen und am Thema weiterzuarbeiten. Etwas Besseres kannman sich von einem Überblick nicht wünschen.

Klara Löffler

WENTZ, Martin( Hg.): Die kompakte Stadt(= Die Zukunft des Städtischen.Frankfurter Beiträge, Bd. 11). Frankfurt am Main, New York, Campus- Ver-lag, 2000, 272 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarzweißabbildungen.

Der elfte Band der Frankfurter Reihe ,, Die Zukunft des Städtischen" widmetsich der kompakten Stadt- einer Leitvorstellung, die unter der Prämisse derVerdichtung auch als Stadt der kurzen Wege bekannt geworden ist. Vor demHintergrund der Kritik an der modernen, durchrationalisierten Stadt, die inerster Linie durch Funktionstrennung zu charakterisieren ist, geht es darum,ein neues Leitbild zu entwickeln, das wieder stärker von Durchmischunggekennzeichnet ist. Dementsprechend ist der Band als Medium der Orien-tierung zu verstehen; hier wird die zum Schlagwort gewordene Idealvor-stellung der kompakten Stadt auf ihren Gehalt überprüft: hinsichtlich einesneuen Leitbildes der Stadtentwicklungsplanung. In vier Themenschwer-