2001, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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Aber eine paradoxe Wendung!- die Unübersichtlichkeit scheint das Be-dürfnis zu verstärken, einige wenige stabile Generalnenner zu finden, undda bieten sich die traditionellen Charakterisierungen an. Man weiß zwar,daß es, die Deutschen nicht gibt; aber das hindert nicht daran, sie fürunbeweglich, naturliebend, geschichtsbeflissen, diszipliniert, ernst, tiefsin-nig zu halten.“
Hermann Bausinger zeigt in seinem Buch, wie dauerhaft nationale Typi-sierungen sind. Es geht ihm nicht darum, sie zu widerlegen, sondern ihrZustandekommen und fortwährendes Wirken zu erklären, wobei er auchständig ihre äußerst beschränkte Aussagekraft in Erinnerung ruft und ihrenAllgemeingültigkeitsanspruch relativiert. Breiten Raum widmet der Autorzudem der politisch- ideologischen Instrumentalisierung von idealisieren-den Selbstzuschreibungen und verweist auf deren systematischen Einsatz inder Propagierung der deutschen Nation im 19. Jahrhundert und ihren Miss-brauch in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. An diesen Stellenzeigt er auch immer wieder, wie Macht und Herrschaft auf das Leben undDenken der Menschen Einfluss zu nehmen im Stande sind, wie Makro- undMikroebene miteinander vernetzt sind. Die historischen Exkurse illustriertBausinger mit Beispielen aus der Literatur und garniert sie mit Anekdotenüber historische Persönlichkeiten oder plaudert aus seinem persönlichenErfahrungsschatz, wodurch die Lektüre des Bandes aufgelockert wird. Ausdieser Mischung ergibt sich auch der populärwissenschaftliche Charakterdes Buches, das, ohne oberflächlich zu sein, sich durch eine klare undflüssige Sprache auszeichnet. Bausingers Buch ist somit eine unterhaltsame,aber nicht seichte Lektüre, die sich im Idealfall mit eigenen, weiterführen-den Studien der Leser an deutschen Gästen, egal an welchem Urlaubsort,verbinden lässt.
Harald Schlinger
EBERHART, Helmut, Johann VERHOVSEK( Hg.): Fremdenfeindlich-keit als gesellschaftliches Problem(= Grazer Beiträge zur EuropäischenEthnologie, Bd. 8). Frankfurt am Main u.a., Peter Lang Verlag, 1999, 266Seiten.
Der Band ,, Fremdenfeindlichkeit als gesellschaftliches Problem" basiert aufder von den Herausgebern Helmut Eberhart und Johann Verhovsekveranstalteten öffentlichen Ringvorlesung, die im Sommersemester 1996 ander Karl- Franzens- Universität Graz abgehalten wurde. Die zehn Vor-tragenden und die einzige Vortragende vertreten ein breites Spektrum an