Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
381
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2001, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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SOMOGYI, László: Die burgenländischen Magyaren. Geschichte, Geo-graphie, Siedlung, Ethnikum, Sozialstruktur. Oberschützen, 2000, 287 Sei-ten, zahlreiche Abb., Tabellen und Karten.

Aufbauend auf seiner im Jahr 1967 an der Karl Franzens- Universität in Grazapprobierten Dissertation ,, Die burgenländischen Magyaren in geographi-scher Sicht" präsentiert Somogyi mit diesem Buch aktuelle Forschungser-gebnisse zu Geschichte und Gegenwart der ungarischen Minderheit imBurgenland.

Der Autor spannt den Bogen von der ersten Besiedelung des Burgenlan-des durch die Magyaren bis zur heutigen Situation der burgenländischenUngarn. Im Mittelpunkt steht die Siedlungsgeschichte und Sozialstrukturder heute noch ungarischsprachigen Dörfer bzw. Städte Oberwart, Oberpul-lendorf, Unterwart und Siget in der Wart.

Neue Erkenntnisse in der Ortsnamenforschung sowie die Untersuchungder Objektnamen Unger,, Hunger" und ,, Ungar" in Österreich untermau-ern die Annahme, dass bereits vor der Landnahme durch die Magyaren im9. Jahrhundert Onoguren, ein ungarisch sprechendes Volk, im heutigenÖsterreich angesiedelt waren. Somogyi folgt hier dem ungarischen Wissen-schaftler Gyula László, der behauptet, dass die an der damaligen österrei-chisch- ungarischen Grenze in den Grenzwächterdörfern lebenden Magya-ren ebenso wie die noch heute in Siebenbürgen lebende Volksgruppe derSzékler die Nachkommen der Onoguren seien. Gyula László bezeichnet dieAnsiedlung der Onoguren im Jahr 670 in Pannonien als erste Landnahmeund folglich die rund 200 Jahre später erfolgte Einwanderung als zweiteLandnahme durch die Magyaren. Diese Aussage ist nicht unumstritten, eswird jedoch von den meisten ungarischen Wissenschaftlern als möglichangenommen, dass die ungarische Sprache bereits mit den Onoguren in dasKarpatenbecken gelangte. Somogyi begibt sich bei seinen Forschungen aufdie Suche nach Belegen, die die Annahme, dass ab 670 Onoguren imheutigen Österreich siedelten, wahrscheinlich oder zumindest möglich er-scheinen lässt.

Am Beispiel der Wart zwischen Rabnitz und Mur( zwischen Bernsteinund Radkersburg) wird der Aufbau der Grenzödland- Verteidigung und derGrenzkomitate ab dem 9. Jahrhundert dargestellt.

Im zweiten Teil des Buches geht der Autor auf die Lage der ungarischenSiedlungen innerhalb des Burgenlandes ein. Zahlreiche Karten, Abbildun-gen und statistische Tabellen ergänzen die Geschichte und die Beschreibungder sozialen Struktur der magyarischen Bevölkerung. Die Auswertung derDaten der Volkszählungen bis 1961 liefert repräsentative Ergebnisse für dieeinzelnen ungarischsprachigen Gemeinden. Vor der Volkszählung 1971