Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
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2001, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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und den USA als Quelle der Volkskunde( S. 159-197). Michalis G. Meraklisdemonstriert an einem karpathiotischen Beispiel die rezenten Tendenzen derVolkskunde( S. 199–206): Es geht um die Form der Namensgebung und daseigentümliche Erbrecht der Insel( den kanakara- Brauch, die älteste Tochterals Allein- Erbin), indem er die emotionalen und ästhetischen Komponentenhervorhebt und damit über die Monographie von Bernard Vernier( La génèsesociale des sentiments. Aînés et cadets dans l'île grecque de Karpathos,Paris 1991) hinausgeht. Maria Milingu- Markantoni berichtet über unver-öffentlichtes Archivmaterial über Karpathos aus dem Zeitraum 1969 bis1980( S. 207–225), der Sprachwissenschaftler Konstantinos Minas über dieDialektzonen der Insel( S. 227–236). Den Band beschließen weitereGrußbotschaften sowie das Protokoll des Kongressablaufes.

Walter Puchner

KORRE- ZOGRAFU, Katerina: Τα Κεραμικά του τσανάκ Καλέ 1670-1922[ Die Keramik von Çanakkale 1670–1922]. Athen, Stiftung des Grie-chentums im Ausland, 2000, 401 Seiten( Großformat), ca. 1000 Abb. aufTaf. und im Text, ISBN 960-7957-083.

Die Athener Volkskunde- Professorin Katerina Korre- Zografu, die sich vorallem auf Volkskunst spezialisiert hat und an dieser Stelle schon mehrfachangezeigt werden konnte, hat einen weiteren Pracht- und Schauband gelie-fert, dieses Mal die z.T. phantastische Keramik der Dardanellen- StadtÇanakkale( ,, Stadt der Vasen") betreffend. Die Arbeit ist als wichtige Ergän-zung der Monographie von Gönül Öney zu sehen( Turkish Periodi Çanak-kale Ceramics, Ankara 1971), da sich ein Großteil der heute erhaltenenBestände über ganz Griechenland verstreut findet, nachdem die Handwerkerdieser Tradition vorwiegend Armenier und Griechen gewesen sind, die 1922aus Kleinasien vertrieben wurden und sich in verschiedenen RegionenGriechenlands angesiedelt haben, so dass die Tradition dieser spezifischenKeramikherstellung, mit ihrem Rokokostil ,,, türkischem Barock" und neo-klassizistischen Tendenzen, bis in die unmittelbare Gegenwart weiter be-steht. Bestände dieser Keramikformen sind in den meisten griechischenMuseen zu finden, aber auch in Privatsammlungen, in Inselhäusern usw. Diegemalten Motive und Symbole sind vielfach christlicher Thematik.

Die in ihrer systematischen Gründlichkeit methodisch mustergültigeArbeit( mit den vielen alten Photographien, Gemälden, den Abbildungen derKeramiken mit der Hervorhebung von ästhetischen Details) setzt mit einemProlog( S. 13 ff) und der Erhellung des historischen Hintergrunds dieser