Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
391
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2001, Heft 3

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Kapitel wird das vormoderne Fleischsystem beschrieben, der Wert desFleisches und das Verhältnis von Fleisch, Herrschaft und Macht. ReligiöseSpeisetabus und Vegetarismus behandelt das dritte Kapitel über die Logikdes Fleischverzichtes. Im vierten Kapitel geht es um die Säkularisierung desFleisches von der göttlichen Gabe bis zur Fertigware und der täglichenFleischkost. Eine geschlechtsspezifische Perspektive wird schließlich imfünften und letzten Kapitel eingenommen, in dem es um Geschlechterbezie-hungen, Männlichkeits- und Weiblichkeitsmetaphern und um die symboli-sche Einverleibung der Frau durch den Mann geht: Der Mann isst Fleisch,die Frau ist Fleisch- Fleisch spielt eine wichtige Rolle in der männlichenHerrschaftssymbolik. Im abschließenden Ausblick auf die Zukunft desFleischverzehrs geht die Autorin auf die negativen Folgen der industriali-sierten Viehzucht und Fleischproduktion sowie auf die möglichen Gefahrenneuer Biotechnologien ein. Ein Ende des massenhaften gegenwärtigenFleischkonsums vermag sie nicht zu erkennen eine Chance auf Ver-änderung sieht sie einzig durch einen steigenden weiblichen Einfluss vorund hinter den Kulissen des großen Fleischtheaters.( SB)

MCNEILL, Daniel: Das Gesicht. Eine Kulturgeschichte. Aus dem ameri-kanischen Englisch von Michael Müller. Wien, Kremayr& Scheriau, 2001( Originalausgabe: Boston, New York, 1998), 512 Seiten, einige Schwarz-weißabbildungen.

Eine kurzweilige und zahlreiche Aspekte berührende Kulturgeschichte desGesichts legt der Wissenschaftspublizist Daniel McNeill mit diesem Buchvor. Der Autor fügt zahlreiche Erkenntnisse aus unterschiedlichsten Wissen-schaftsdisziplinen, die sich mit dem Gesicht beschäftigen, zu einer umfang-reichen Materialsammlung zusammen. Er behandelt das Gesicht als daseigentliche Zentrum des menschlichen Körpers und geht zunächst einmalder Frage nach, wieso Menschen überhaupt ein Gesicht haben und wieso esso aussieht, wie es aussieht, welche Funktionen die einzelnen Teile desGesichts besitzen. Die insgesamt vier Kapitel sind in zahlreiche Unterkapi-tel zu verschiedensten Themen und Fragen rund um das Gesicht gegliedert.Es geht um Schönheit und Hässlichkeit ebenso wie um den bösen Blick, dasErröten oder das Zwinkern und das Lächeln. Der Bedeutung von Porträts,Spiegeln, Masken und vielem mehr wird nachgegangen und es werdengeschlechtsspezifsche und identitätskonstruierende Aspekte des Gesichtserörtert.( SB)