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ÖZV LV/ 104
KOCH- MERTENS, Wiebke: Der Mensch und seine Kleider. Bd. 1: DieKulturgeschichte der Mode bis 1900, Bd. 2: Die Kulturgeschichte der Modeim 20. Jahrhundert. Düsseldorf, Zürich, Artemis& Winkler Verlag, 2000,475399 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarzweißabbildungen.
Wiebke Koch- Mertens, Dozentin für Kulturgeschichte der Bekleidung,spannt in ihrer Kulturgeschichte der Mode einen weiten historischen Bogenvon der Steinzeit bis zur Gegenwart. Sie bettet die Mode dabei in denjeweiligen historischen, sozialen und kulturellen Kontext ein. Neben derMänner- und Frauenkleidung widmet sie sich auch der Fußbekleidung,Frisuren und Kopfbedeckungen sowie Kosmetik, Schmuck und Accessoires.Weiters geht die Autorin auf Fragen der Herstellung, des Designs und derVermarktung von Mode ein, sie stellt stilprägende Personen und kulturellePhänomene vor und sie setzt sich mit Schönheitsnormen und identitätsstif-tenden Momenten der Mode auseinander. Das reich und anschaulich illu-strierte Werk bietet einen informativen Überblick über die Geschichte derMode und ermöglicht durch die kompakte, chronologisch gegliederte Dar-stellung einen vergleichenden Blick auf die verschiedenen Stilepochen.Weiterführende Hinweise zur Vertiefung der angesprochenen Themen undProblemfelder liefern die Literaturangaben.( SB)
ROOST, Frank: Die Disneyfizierung der Städte. Großprojekte der Enter-tainmentindustrie am Beispiel des New Yorker Times Square und der Sied-lung Celebration in Florida. Opladen, Leske und Budrich, 2000, 161 Seiten.
Mit Faustformeln wie McDonaldisierung oder auch Disneyfizierung scheintalles gesagt. Wie viele andere Diagnosen, die von der Amerikanisierung derWelt sprechen, so decken auch diese mehr zu, als dass sie Sachverhalteerhellen könnten. Im vorliegenden Fall muß ich mein Ressentiment gegen-über solchen Schlagwörtern revidieren. Denn Frank Roost liefert hier einesachlich fundierte und weitgehend emotionslos vorgetragene Analyse nichtnur des Einflusses des Walt Disney Konzerns auf die Städte- und Raumpla-nung in den USA wie in Europa, etwa in Deutschland; der Titel führt einenda eigentlich in die Irre. Neben dem Trend zu multimedial vermarkteteninnerstädtischen Vergnügungszentren beschreibt er ein zweites Phänomen,das in der deutschsprachigen Stadtethnographie bislang vernachlässigt wur-de: das Phänomen der ,, neotraditionellen Siedlungen“. Unter diesem Begriffsubsumiert er jene Versuche an den Stadträndern gerade auch der Metropo-len Europas, im historischen und romantischen Rückgriff Wohnidyllen zu