Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
393
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2001, Heft 3

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installieren, die sich am Ideal der Kleinstädte und deren Dichte orientieren.Dabei verweist Roost auf Parallelen zu Celebration, dem von einem Toch-terunternehmen der Walt Disney Company geplanten und realisierten Pro-jekt einer komplett neu( mit der dazugehörigen technischen und sozialenInfrastruktur) errichteten Kleinstadt. Roosts Recherchen unter anderem anden Stadträndern Berlins zeigen einmal mehr, dass es hoch an der Zeit ist,den Blickwinkel der Stadtethnographie zu erweitern und gerade auch dasWohnen und Bauen an den Peripherien- nicht zuletzt im Rückgriff auf dasWissen und die Kompetenzen der volkskundlichen Hausforschung zumForschungsgegenstand zu machen.( KL)

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BULITTA, Brigitte: Zur Herkunft und Geschichte von Spielbezeichnun-gen. Untersuchungen am Beispiel traditioneller Bewegungsspiele(= Schrif-ten der Brüder Grimm- Gesellschaft, N.F. Bd. 29). Kassel, Brüder Grimm-Gesellschaft e. V., 2000, 432 Seiten, Taf.

In dieser sprachwissenschaftlichen Dissertation stehen zwar die Erfassungund Bestimmung von Bezeichnungen traditioneller Bewegungsspiele, also,, strukturierter Regelspiele"( S. 18), im Vordergrund, doch reduziert sich dieDarstellung Bulittas nicht auf die sehr detaillierten, zumal durch den Ver-gleich mit nicht- deutschsprachigen Belegen weitgefächerten Beschreibun-gen und Kommentaren zu einem spezifischen Wortschatz. Was dieses Buchfür kulturwissenschaftlich orientierte Spieleforscher so nützlich macht, diessind Bulittas Überlegungen zu Überlieferungsfragen und ist deren empiri-sche Phantasie im Auffinden unterschiedlichster Quellen zu einem Teil derAlltagskultur, der, so scheint es zunächst, weitgehend mündlich tradiert undpraktisch vermittelt wird. So stellt sie den wortgeschichtlichen Teilen ihrerStudie ein großangelegtes( immerhin ca. 60 Seiten starkes) Kapitel zumThema ,, Spielzeugnisse" voran; hierin geht sie ausführlich auf Texte wieetwa auch Sprachlehrwerke des 16. und 17. Jahrhunderts ein und auf dieBedeutung des Spiels als eines erzieherischen Mittels in der humanistischenErziehung.( KL)