Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LV/ 104, Wien 2001, 425-443
Zur ,, Bildergalerie katholischer Misbräuche“ von Joseph Richter
Franz Kohlschein
Der österreichische Autor Joseph Richter bedient sich in sei-nem Werk ,, Bildergalerie katholischer Misbräuche“ von 1784der Satire mit Kupferstichen, um das kirchliche Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumder Zeit darzustellen, es zu kritisieren und damit die Reform-vorhaben des Josephinismus zu unterstützen. In der Art, wieer Problematisches, Widersprüchliches und Mangelhaftes an-prangert, verschafft er Einblick in die Reformkonzeption derjosephinisch geprägten Aufklärung und ihre Auswirkungen.Richter kennzeichnet Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum als evolutives Element, dassich ständig weiterentwickeln und den veränderten geistigenund religiösen Rahmenbedingungen anpassen muß. Als Bei-spiele werden in diesem Beitrag die Kapitel über die Kirchen-musik, die Ohrenbeichte und die Spielelemente am Fest derHimmelfahrt Christi erläutert und kommentiert.
Die Kritik an Gottesdienst und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in der Katholischen Auf-klärung ist gut untersucht, noch nicht ausreichend bearbeitet istjedoch ihre Verbindung mit Satire und Abbildungen der darstellendenKunst. Als interessantes Beispiel für auf die sogenannte Volksfröm-migkeit bezogenes Bildgut mit satirischer Intention bietet sich die,, Bildergalerie katholischer Misbräuche“ von Joseph Richter an.+
1 Vgl. Kohlschein, Franz: Geschichte des deutschen Aufklärungskatholizismus imLicht seiner liturgischen Reformanliegen. In: Forschungsforum. Gott zur Spra-che bringen Katholische Theologie in Bamberg, Heft 8. Bamberg 1996,
S. 84-88.
2 Vgl. Möseneder, Karl: Franz Anton Maulbertsch. Aufklärung in der barockenDeckenmalerei. Wien 1993, S. 11; Brückner, Wolfgang: Zum Wirklichkeitsge-halt satirischer Bildquellen der Aufklärungszeit. In: Volkskunst, Heft 4( 1985),S. 41-44. Brückner behandelt die Darstellung des Begräbnisses in Richters hiervorgestelltem Werk ,, Misbräuche“.
3 Zur Begrifflichkeit vgl. die Artikel ,, Brauch, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum" in: LThK 2(* 1992)656–658, und ,, Volksfrömmigkeit“ in: LThK 10( 2001) 858-862. Dort kommtauch zum Ausdruck, wie sehr volkskundliche wie liturgiewissenschaftliche For-schung auf interdisziplinäre Zusammenarbeit angewiesen sind.