Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LV/ 104, Wien 2001, 455–488
Chronik der Volkskunde
Archiv Richard Beitl an der Berliner Humboldt- Universitäteingerichtet
Übergabe eines wissenschaftlichen Nachlasses
Am 12. Juni 2001 wurde der Landesstelle für Berlin- BrandenburgischeVolkskunde am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt- Univer-sität zu Berlin der Nachlass von Richard Beit( 1900-1982) übergeben.Studenten, Lehrende sowie Fachkolleginnen und-kollegen hatten sich imHörsaal des Berliner Instituts zusammengefunden, um der feierlichen Über-gabe der archivalischen Unterlagen durch Herrn Prof. Dr. Klaus Beitlbeizuwohnen.
Einführend ging der Institutsdirektor Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba aufdie Lehrtätigkeit Richard Beitls von 1932 bis 1943 im Fach Volkskunde ander damaligen Friedrich- Wilhelms- Universität ein. Richard Beitl lehrteschon vor Adolf Spamer, der 1936 Ordinarius wurde, als Privatdozent.Während Spamers schwerer Erkrankung und bis 1943, als er selber zumKriegsdienst eingezogen wurde, vertrat Richard Beitl den vakanten Lehr-stuhl in Berlin und hinterließ dabei gewissermaßen seine Handschrift.Spuren seines persönlichen Engagements für die Disziplin finden sich bisheute im Universitätsarchiv, wo etwa Beitls intensive Bemühungen bei-spielsweise zur Erweiterung der Film- und Bildsammlung des Seminars fürVolkskunde aktenkundig sind.
Klaus Beitl nun ging bei seiner Erwiderung ganz speziell auf diejenigenübergebenen Unterlagen ein, die sein Vater während der Zeit des Krieges inseinen Heimatort, nach Schruns, gesandt und dort aufbewahrt hatte. Die vonihm dankenswerter Weise bereits angefertigte Inhaltsübersicht des überge-benen Bestandes lässt ahnen, welche wissenschaftstheoretischen und-histo-rischen Möglichkeiten sich der Berliner Forschungsinstitution jetzt bieten,will man der weitgehend unbekannten Geschichte der Volkskunde in Berlinseit Ende der zwanziger bis hinein in die vierziger Jahre neue Untersuchun-gen widmen. In den Unterlagen befinden sich beispielsweise die ca. 1000Fragebögen zum Kinderspiel in Steglitz, die anlässlich eines Trachten- undVolksfestes 1935 erhoben wurden. Hinzu kommt Material zur Dorffor-schung in Rosenthal bei Dahme im Fläming. Im Rahmen von Feldforschun-