2001, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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Riehl, sondern auch Freud, Dilthey usw., spart aber die Frage, inwieweitMüller breiter rezipiert wurde, aus. Gerade für eine empirisch orientierteVolkskunde, die sich vermehrt für die Umsetzung kultureller Theorien in derLebenswelt interessiert( wie das seit den 1960ern in den Folklorismusdebat-ten und in den 1990ern mit der einsetzenden Diskussion zum Kulturtransferder Fall ist), dürfte diese Spurensuche wesentlich sein. Die Fülle des indiesem Buch verarbeiteten Materials hätte man gerne auch durch ein Regis-ter erschlossen gesehen. Die gut zu lesende Arbeit verdient es, gerade imZusammenhang mit der Fachgeschichte weiter diskutiert zu werden.
Regina Bendix
LINDNER, Rolf: Die Stunde der Cultural Studies.(= Edition Parabasendes IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien).Wien, WUV, 2000, 126 Seiten, 3 Abbildungen.
In der Edition Parabasen, herausgegeben vom IFK, dem InternationalenForschungszentrum Kulturwissenschaften( Wien), als dessen Visiting Fel-low Rolf Lindner, Professor für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, im Herbst/ Winter 1998/99 eingeladen war, liegen nununter dem Titel ,, Die Stunde der Cultural Studies" dessen Überlegungen zudiesem Thema in Buchform vor. Erklärtes Ziel seiner Überlegungen ist derVersuch, die Cultural Studies selbst ins Zentrum einer kulturwissenschaft-lichen Analyse zu stellen, indem sie im Licht ihres eigenen Anspruchs, diebestehenden Verbindungen von Kultur und sozialem Wandel offenlegen zuwollen, betrachtet werden. Lindner sieht das Entstehen der Cultural Studiesdabei als ,, Paradigmenwechsel in den Kulturwissenschaften[...] als Resultateiner historical conjuncture, als das Zusammentreffen von Umständenstruktureller, kultureller und biographischer Art“( S. 11, Hervorhebung imOriginal). Diese drei Aspekte in ihrer Bedeutung für die Cultural Studies zurekonstruieren und zu analysieren bildet demnach auch Lindners Ausgangs-punkt.
Zwar nehmen sich die Cultural Studies im deutschen Sprachraum alsrelativ junge Strömung innerhalb der Kulturwissenschaften aus, doch rei-chen ihre Anfänge im angloamerikanischen Raum bis in die späten 1950erJahre nach Großbritannien zurück. Ebendort und vor dem spezifischenhistorischen Hintergrund dieser Zeit inklusive aller damit verbundenensoziokulturellen Implikationen kam es demnach auch zu besagter ,, histori-cal conjuncture", die Lindner als Initialzündung für die spätere Formierungder Cultural Studies ansetzt. Unter der Kapitelüberschrift ,, Cultural Hybrids