2001. Heft 4
Literatur der Volkskunde
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schaft und Kulturproduktion, etwa wenn er zeigt, wie Angehörige einerSubkultur in ihren Selbstdarstellungen Interpretationen aus kulturwissen-schaftlichen Studien übernehmen, wie sich Universitätsprofessoren zuWissenschaftspopstars" stilisieren oder generell wie ein an den Prinzipiender Unterhaltungsindustrie orientierter Stil in die KulturwissenschaftenEinzug gehalten hat.
Rolf Lindner zeichnet in ,, Die Stunde der Cultural Studies" die Geschich-te der Cultural Studies nach, ohne den Anspruch zu erheben, eine umfassen-de Einführung in diese geben zu wollen. Das gelingt ihm ganz nebenbeidennoch, wobei anzumerken ist, daß Grundkenntnisse über deren Program-matik vorteilhaft für den Leser sind. Wer bei der Lektüre dieses Buches aufden Geschmack gekommen ist, wird in der umfangreichen Bibliographie,die sich wie ein ,, Who is Who" der Kulturwissenschaften liest, noch ausrei-chend Literatur finden. Protagonisten in Lindners Buch sind die Vertreterder Cultural Studies selbst, er folgt ihnen von ihren ersten Schritten alsStipendiaten aus dem Arbeitermilieu der 1950er Jahre auf ihrem Weg durchdie Institutionen bis zu ihrer heutigen Erscheinungsform der trendig gestyl-ten Wissenschafter. Dabei analysiert er die Träger der Cultural Studies inihrer Verbindung und Veränderung mit diesen und zeigt ganz allgemein dieDynamiken und Wechselwirkungen auf, die zwischen Kulturwissenschaftenund Kulturindustrie entstanden sind. Und auf die Gefahren für Kulturwis-senschafter, die ihnen bei einer allzu engen Verzahnung beider Bereichedrohen, hinzuweisen, ist die vielleicht größte Leistung dieses nur scheinbarkleinen Bandes. ,, Popkulturforschung ist mittlerweile Teil der Popkultur"( S. 66) konstatiert der Autor, von der Wissenschaft fordert er aber ,, kultu-relle Dissidenz, politisches Engagement und intellektuelle Häresie“( S. 115)statt modischer Hypes. Bleibt zu hoffen, daß seine Stimme im Soundgewit-ter nicht untergeht.
Harald Schlinger
EISCH, Katharina, Marion HAMM( Hg.): Die Poesie des Feldes. Beiträ-ge zur ethnographischen Kulturanalyse.(= Untersuchungen des Ludwig-Uhland- Instituts der Universität Tübingen, Bd. 93). Tübingen, TübingerVereinigung für Volkskunde, 2001, 337 Seiten, 32 Abb.
,, Den volkskundlichen Blick schärfer zu machen, ohne seine Spezifik undseine Problemorientiertheit einzuschränken, ist die Aufgabe der kommen-den Jahre. Diese ist nicht lösbar ohne massenhafte Feldstudien und derenregelmäßige und hartnäckige methodische Reflexion"( S. 11). Dieses Zitat