506
se-
Literatur der Volkskunde
ÖZV LV/ 104
und Situationen in Mittel- und Osteuropa( besonders Südosteuropa) gewid-met sind. Auch das Verhältnis der Kirchen zu Kommunismus und Faschis-mus wird vergleichsweise knapp und unbefriedigend behandelt. Die Diver-genz zwischen Anspruch und Möglichkeit spiegelt- zumindest ansatzwei-auch die Übersetzung wider. In der Einleitung wird betont, dass aufterminologische Genauigkeit Wert gelegt worden sei und erläutert, warumeinem bestimmten Ausdruck gegenüber einem anderen der Vorzug gegebenworden ist. Das hat aber nicht verhindern können, dass in der deutschenAusgabe hauptsächlich der Leitbegriff ,, Säkularisation", hin und wiederaber auch ,, Säkularisierung“ eingesetzt wird – eine Vermischung, die ange-sichts der ohnehin unklaren Verwendung der beiden Begriffe die sonstigesprachliche Sorgfalt des Autors konterkariert.
Die Forderung nach einer umfassenderen Darstellung im abgestecktenRahmen wäre dennoch verfehlt; unter den europäischen HistorikerInnenwäre wohl niemand in der Lage, eine solche zu leisten. Das Beispiel zeigtmeiner Ansicht nach die Grenzen an, die der Reihe ,, Europa bauen“ gezogensind. Das Thema ,, Religion und Gesellschaft“ für den gesamten Kontinentund über zwei Jahrhunderte hinweg zu behandeln, ist ein zu ehrgeizigesUnterfangen. Da es andererseits umso reizvoller wäre, die vorhandenendetailfreudigen und äußerst zahlreichen- für gewöhnlich aber national oderthematisch eng begrenzten- Arbeiten zu einer vernetzten Geschichte von,, Religion und Gesellschaft in Europa“ in einer größer angelegten europäi-schen Kooperative zusammenzuführen, hat der Gedanke, hat das Beispieletwas Begeisterndes. Das Buch von René Rémond wäre über dessen unzwei-felhafte Leistungen hinaus diesfalls als anregende und bedeutende Vorarbeitzu würdigen.
Christian Stadelmann
SCHOLZ, Nina, Heiko HEINISCH:
alles werden sich die Christennicht gefallen lassen." Wiener Pfarrer und die Juden in der Zwischenkriegs-zeit. Wien, Czernin Verlag, 2001, 160 Seiten, 10 Abb.
Mit der Besprechung dieses Buches wird eine Arbeit angezeigt, die in ihremBereich methodologisches Neuland betritt. Die beiden AutorInnen analysie-ren Wiener Pfarr- und Diözesanblätter aus der Zwischenkriegszeit underfassen damit eine wichtige und aussagekräftige Schnittstelle zwischenKlerus und Kirchenvolk, die von bisherigen thematisch ähnlichen Arbeitennie systematisch ausgewertet worden ist. Ihr Interesse gilt der Frage, inwie-weit in diesen Publikationen antisemitische Positionen vertreten worden