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Literatur der Volkskunde
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bekehren( S. 85–87). Unklar ist da allerdings, was an einem ,, Artikel gegendie, Lehre von Blut und Rasse', die das Christentum ersetzen wolle",grundsätzlich problematisch ist. Insgesamt aber ist der Befund eindeutigund dank exakt angewandter Methode- schwerlich anfechtbar. Deshalbmacht die Arbeit betroffen und kann auch als Plädoyer eingesetzt werden:gegen die Proklamation des Endes einer Auseinandersetzung mit dem Na-tionalsozialismus, wie dies in einer rezenten Diskussion verlangt worden ist.Christian Stadelmann
MOSER, Johannes( Hg.): Jugendkulturen. Recherchen in Frankfurt amMain und London.(= Notizen, Bd. 66). Frankfurt am Main 2000, 281 Seiten,zahlr. s/ w- Abb.
Der Sammelband ,, Jugendkulturen. Recherchen in Frankfurt am Main undLondon" präsentiert die Forschungsergebnisse eines Projekts, das unter derLeitung von Johannes Moser und Anne Claire Groffmann von 1997 bis 1999am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie in Frank-furt am Main durchgeführt wurde: Über 18 Monate hinweg untersuchtenStudierende im Rahmen einer Feldforschung sechs Gruppen von Jugendli-chen in Frankfurt und Umgebung und ergründeten unter Einbezug bestehen-der theoretischer Konzepte die Bedeutung und Funktion von Gruppen fürihre Mitglieder und davon ausgehend die Jugendkulturen, in denen sie ihrenAusdruck finden. Ein vierzehntägiger Forschungsaufenthalt in London half,die Ergebnisse distanzierter zu betrachten, zu erweitern oder in einen ande-ren Zusammenhang zu rücken, wobei an verschiedenen Stellen des Buchesbetont wird, daß die Aufenthaltsdauer für tiefergehende Erkenntnisse zukurz war. Auf die näheren Umstände der Feldforschungen in beiden Städtenwird leider nicht in allen Beiträgen des Bandes eingegangen, was einNachvollziehen der Forschungsergebnisse erschwert; immer wieder bleibenFragen offen. Auch fehlt eine Erläuterung, nach welchen Kriterien dieAuswahl der beforschten Gruppen erfolgte. So beklagt zwar JohannesMoser in seinem einleitenden Artikel über ,, Kulturanthropologische Ju-gendforschung"( S. 11-57), daß sich diese bislang auf besonders auffälligeund hervorstechende Kulturformen konzentriert hat, muß aber zugeben, daßdies auch auf die überwiegende Zahl der Beiträge im vorliegenden Bandzutrifft. Auf der anderen Seite wird hier zumindest der Versuch deutlich,nicht allein auf gut untersuchte, bereits ins Bewußtsein der kulturwissen-schaftlichen Fächer gerückte Gruppen einzugehen.
Das Ziel von Mosers Artikel ist es zu klären, was Jugendkulturen über-haupt sind, und darzulegen, welche unterschiedlichen Herangehensweisen