Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
512
Einzelbild herunterladen
 

512

Literatur der Volkskunde

ÖZV LV/ 104

ebenfalls. Hinzu kommt, daß immer wieder in eine ,, klassische Feldfor-schungsfalle getappt wird, indem Passagen aus Interviews oder Feldtagebü-chern ohne nähere Erläuterungen und Analysen eingefügt werden, in derAnnahme, sie sprächen für sich selbst. Auch hätte eine Straffung einzelnerBeiträge zu größerer Klarheit in der Argumentationslinie geführt. An dieserStelle positiv hervorzuheben ist das sympathische Layout des Buches, dasmit Symbolen für die einzelnen Kapitel pfiffig und zugleich übersichtlichgestaltet ist.

Alles in allem ist es im vorliegenden Band durchaus gelungen, spezifi-sche Ausschnitte unserer gesellschaftlichen Realität überzeugend und zu-gleich auf spannende, leicht lesbare Weise zu beschreiben, zu hinterfragenund zu deuten. Mit weiteren Forschungen anzuknüpfen, würde sich sicher-lich lohnen.Kathrin Pallestrang

BOESCH, Alexander, Birgit BOLOGNESE- LEUCHTENMÜLLER,Hartwig KNACK( Hg.): Produkt Muttertag. Zur rituellen Inszenierungeines Festtages. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichi-schen Museum für Volkskunde.(= Kataloge des Österreichischen Museumsfür Volkskunde, Bd. 79). Wien, Selbstverlag Österreichisches Museum fürVolkskunde, 2001, 260 Seiten, 170 Abb.

Unter den heute etablierten Familienfesten ist der Muttertag aufgrund seinerideologischen Implikationen wahrscheinlich das umstrittenste. Viele, dieihn ablehnen, begründen dies mit der Geschäftemacherei, seinen angebli-chen historischen Wurzeln im Nationalsozialismus und/ oder dem mit ihmverbundenen Frauenbild. In der Muttertagsforschung des deutschsprachigenRaumes ist es das Verdienst der deutschen Historikerin Karin Hausen, seineEntstehungsgeschichte im Kontext der verschiedenen, mit seiner Einfüh-rung verbundenen zeitgenössischen Interessen nachgezeichnet zu haben. InDeutschland ging die Initiative zur Einführung des Muttertages Anfang der1920er Jahre vom ,, Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber aus, dermit Hilfe eines neuen Feiertages auf eine Umsatzsteigerung hoffte-- nacheinigen Anlaufschwierigkeiten ist diese Rechnung langfristig bekanntlichaufgegangen. Rudolf Knauer, Geschäftsführer des Verbandes und maßgebli-cher Betreiber der Muttertags- Idee, verstand es auf sehr geschickte Weise,verschiedene gemeinnützige Organisationen und Institutionen u.a. aus demkirchlichen, schulischen und volkserzieherischen Bereich für die Idee zugewinnen, um so die Geschäftsinteressen des Blumenhandels in den Hinter-