Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
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2001, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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und seine Aussage, die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber sollten mit dem Pleuel anstatt mit dem Maulewaschen, werden ebenso zitiert wie Judith Butler oder der ,, Größere Versuchüber den Schmutz von Christian Enzensberger. Die ursprüngliche Verbin-dung des Begriffs mit der Tätigkeit der Wäscherinnen ist, wie Althans zeigt,noch heute in Sprichwörtern wie jemanden durch die Mangel drehen,,, durchhecheln oder jemandes ,, schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeitwaschen" zu finden. Diese Geschichte des Waschens als Geschichte vomKlatsch und dem Sprechen bei der Arbeit geht auch auf die Lebens- undArbeitsumstände der Wiener Wäscherinnen ein, die sich durch das Waschenfinanziell unabhängig machten und damit den Mann erstmals zu einer,, Begleiterscheinung im Leben der Frau degradierten. Sie erregten diePhantasie der Männer, die saubere Wäsche als potentielle weibliche Hülleund damit als etwas Erotisches ansahen. Das Wäschermädel wurde imagi-niert als das adrette, aufreizende und niedliche weibliche Wesen. An-schließend an dieses Kapitel, das sich mit der weiblichen Perspektivebeschäftigt, beschreibt Althans das männliche Sprechen bei der Arbeit, das,, Sprechen als Arbeit, das Rationalität, Kalkül und Wirtschaftlichkeit vor-aussetzt. Im Kapitel ,, Credit- Diskurse" wird in der, Verschränkung dermännlichen Finanzwelt mit dem weiblichen Imaginären die Geschichtejener Ideen verfolgt, die zur Definition des Klatsches als typisch weiblicherArt des Sprechens führten. ,, Die Aufklärung und der Klatsch beschäftigtsich mit der weiteren Verfestigung dieser Annahme, wie sie durch dieSchriften von Diderot, Rousseau und auch Freud transportiert wurden.Damit ist die Autorin im 20. Jahrhundert angelangt, wo sie sich in ihremKapitel ,, Der Klatsch in der Organisationstheorie" genüsslich den Diskre-panzen zwischen ihren eigenen Erkenntnissen und den Postulaten jenerWissenschaftsdisziplin widmet. ,, Der Klatsch, die Frauen und das Sprechenbei der Arbeit ist ein sowohl wissenschaftlich anspruchsvolles als auchkurzweilig zu lesendes Buch.

Sabine- Else Astfalk

BASILE, Giambattista: Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone.Nach dem neapolitanischen Text von 1634/36 vollständig und neu übersetztund erläutert von Hanno Helbling, Alfred Messerli, Johann Pögl, DieterRichter, Luisa Rubini, Rudolf Schenda und Doris Senn. Herausgegeben vonRudolf Schenda. München, Beck, 2000, 639 Seiten.

Erstmalig liegt mit dieser Ausgabe das Pentamerone- die erste bedeutendeMärchensammlung auf europäischem Boden- vollständig und in wortge-