2001. Heft 4
Literatur der Volkskunde
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FUHS, Burkhard: Dröhnende Motoren, Fliegende Kisten, Coole Drinks.Die Anfänge des Passagierfluges. Marburg, Jonas- Verlag, 2000, 127 Seiten,111 s/ w- Abb.
Da das Flugzeug mittlerweile zu einem normalen, alltäglichen Verkehrsmit-tel geworden ist, ist es interessant zu erfahren, wie sich ,, die Anfänge desPassagierfluges"- so der Untertitel des Buches- gestaltet haben. Die Arbeitumspannt den Zeitraum von 1900 bis Mitte der 1950er, Anfang der 1960erJahre, als man die Propellermaschinen durch Düsenflugzeuge ablöste undFliegen allmählich zu einem Massenphänomen wurde. Der Schwerpunktdes Buches liegt auf der Entwicklung der 1926 gegründeten Lufthansa, wasinsofern gerechtfertigt ist, als sie allein weitaus mehr Fluggäste beförderteals alle anderen europäischen Gesellschaften zusammengenommen( S. 107)und sie insbesondere durch die Innovationen Hugo Junkers'- Schrittma-cherin technischer Neuerungen war.
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Die Geschichte des Flugzeugs in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhun-derts lässt sich kurzgefasst beschreiben als die Entwicklung von einem unsi-cheren und gefährlichen technischen Gerät ,, tollkühner Männer“, das vor allemfür Kriegszwecke eingesetzt wurde, hin zu einem sicheren, bequemen undverlässlichen Transportmittel. 1920 wurde das erste ausschließlich für zivileZwecke konstruierte Flugzeug, die Junkers F 13, der Öffentlichkeit präsentiert;es hatte bereits Polstersitze, Deckenbeleuchtung sowie Heizung, und- für unsHeutige ein Kuriosum die Fenster konnten während des Fluges von denPassagieren geöffnet werden. Während sie Platz für nur vier Fahrgäste bot,waren die Nachfolgemodelle zwar größer, doch auch die legendäre ,, Tante Ju“,die JU 52, brachte es nur auf 17 Plätze. Von einem Massenverkehrsmittel konnteda natürlich keine Rede sein; vielmehr war das Fliegen in der Zwischenkriegs-zeit einer vermögenden Minderheit vorbehalten, kostete doch ein Flug wesent-lich mehr als eine Fahrkarte erster Klasse bei der Deutschen Reichsbahn, undbereits diese war für die meisten vollkommen unerschwinglich. An der Bahnmaß sich die Lufthansa, und sie setzte alles daran, einen ähnlichen Komfort undeine ähnliche Zuverlässigkeit zu bieten. Um das zu erreichen, wurde der starkvom Wetter abhängige Sichtflug vom Instrumentenflug abgelöst und in dengrößeren Flugzeugen ein Bordservice eingerichtet, der auch gehobene Ansprü-che zu befriedigen vermochte.
All das und noch einiges mehr erfährt man bei der Lektüre des Buches.Es ist ein Sachbuch, nicht aber ein wissenschaftliches Werk, das mit neuenErgebnissen aufwarten würde. Es vermittelt grundlegende Informationenauf spannende Weise, wobei aus meiner Sicht allerdings zwei Elemente zukurz kommen. Das eine ist der Atlantik- Dienst mit Hilfe der Flugboote undZeppeline, der nur en passant gestreift wird. Den Versuchen etwa mit der