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Literatur der Volkskunde
ÖZV LV/ 104
Dornier Do- X oder den Flying Clippers der Pan American Airways war zwarkein langfristiger Erfolg beschieden, aber als Vorläufer der Transatlantikflü-ge hätten sie allemal stärkere Beachtung verdient, zumal es sich bei diesenFlugbooten um außergewöhnlich markante Maschinen handelt. Und auchdie allen erdenklichen Komfort bietenden Zeppeline hätten stärker gewür-digt werden können, waren sie doch als ,, Concorde der Zwischenkriegszeit"doppelt so schnell wie die großen Passagierschiffe auf der Nord- undSüdamerikaroute. Der zweite Punkt betrifft die Rolle des großen Konstruk-teurs Hugo Junkers, die mir zu wenig gewürdigt erscheint, da die Entstehungder Lufthansa aufs Engste mit seinem Namen verbunden ist, und er es war,der ihr den entscheidenden Stempel als Schrittmacher technischer Innova-tionen in Europa aufgeprägt hat – zumindest bis zur Enteignung durch dieihm feindlich gesonnenen Nationalsozialisten.
Dennoch möchte ich das Buch als Einstieg in das Thema empfehlen. DieGeschichte der Luftfahrt wird auf anschauliche Weise geschildert, und auchin kulturgeschichtlicher Hinsicht ist das Buch interessant. Da geht es etwaauch um die Bemühungen der Lufthansa, das traditionelle Rollenbild derFrau mit dem der Stewardess in Einklang zu bringen, oder auch um dasAnliegen der Gesellschaft, das Fliegen vom Geruch des Abenteuerlichen zubefreien, wie es sich etwa in den vielen Werbefotos dokumentiert, die Frauenund Kinder als ganz ,, normale" Passagiere präsentieren. Überhaupt sind dievielen Fotos eine wahre Fundgrube in Hinblick auf Mentalitäts- und Technikge-schichte, und nicht nur das: Sie lassen auch erahnen, dass das Fliegen in derZwischenkriegszeit ein wesentlich sinnlicheres Erlebnis war als in den Groß-raumflugzeugen der Gegenwart, womit sich dieses Phänomen einreiht in dieallgemeine Entwicklung der Technik mit ihrer zunehmenden Distanz oder garEntfremdung von der ,, begreifbaren" Umwelt. Es ist sicher kein Zufall, dassder einzigen noch existierenden JU 52 der Lufthansa stets großer Zulaufbeschieden ist, wenn sie zu Nostalgieflügen abhebt. Sie vermittelt einFlugerlebnis, wie man es bestenfalls noch bei regionalen Fluggesellschaftenerleben kann, die ihren Verkehr mit Kleinflugzeugen abwickeln.
Bernd Rieken
KORRE- ZOGRAFU, Katerina, Marios VASILOPULOS: Traditional life& art. Andros, Museum für Volkskunde und christliche Kunst, s.a.[ 2000],178 Seiten, 96 Abb., 54 Farbtaf.
Volkskundliche Lokalmuseen in Griechenland, die vielfach auch auf privateInitiative gründen, haben z.T. hervorragende Ausstellungskataloge ihrerBestände herausgegeben. Einen solchen gilt es auch hier anzuzeigen. Er