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Literatur der Volkskunde
ÖZV LV/ 104
LYDAKI, Anna: Ποιοτικές μέθοδι της κοινωνικής έρευνας[ Qualita-tive Methoden der Erforschung der Gesellschaft]. Athen, Kastaniotis- Ver-lag, 2001, 298 Seiten.
Volkskundliche Feldforscher, Ethnologen und Anthropologen verspüren, ofterst Jahre nach der Erfahrung des ,, Fremden“, das sie zu erforschen ausge-zogen waren, das Verlangen, die Empirie mit der Theorie zu verbinden undsich über die Brauchbarkeit des angelernten theoretischen Rüstwerkzeuges,, im Feld" Rechenschaft abzulegen. Dies hat in der Vergangenheit, aber auchnoch in der jüngsten Gegenwart zu bedeutenden methodischen Entwürfenund Konzeptionen, ja ganzen Kulturanalysesystemen geführt, die freilichvielfach vom Virus der Verallgemeinerung befallen sind, nichtsdestoweni-ger aber, in Komparation gelesen, wobei sich die Selbstrelativierung vonselbst einstellt, die Entthronung westlicher Kulturmodelle und Denkmodivorangetrieben haben, was in den kommenden Jahren einer forcierten Glo-balisierung umso wertvoller sein dürfte, als die Alternativen zum Geltendeneiner sukzessiven Reduktion unterworfen sind.
Neben den großen theoretischen Entwürfen gibt es aber auch, sympathi-scherweise, die kleinen persönlichen Rechenschaftsberichte, die nicht denAnspruch der Allgemeingültigkeit erheben wollen, sondern Empirie undTheorie subjektiv auf einen Nenner zu bringen versuchen, was allerdingsnicht weniger lehrreich sein dürfte, da die Felderlebnisse und individuellenEindrücke nach Maßgabe der schier unendlichen Vielfalt des persönlichenSensoriums und der individuellen Aufnahmebereitschaft, sowie nach Maß-gabe der Untersuchungsgegenstände eine weit größere Mannigfaltigkeitaufweisen als die theoretischen Ansätze zur Verarbeitung und Systematisie-rung. Dies hat nun auch Anna Lydaki unternommen, die bisher mit zweiMonographien zu den Zigeunern Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunern in den Vororten Athens hervorgetreten ist:,, Balame und Roma[ Nicht- Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner und Zigeuner] Glossar ::: zum Glossareintrag ]. Die Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner von AnoLiosia", Athen 1997( vgl. meine Besprechung in Südost- Forschungen 57,1998, S. 429-430), sowie den autobiographischen Bericht: ,, Die Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunerin der Stadt. Aufgewachsen in Hagia Barbara", Athen 1998. Lydaki ent-stammt der sozialwissenschaftlich orientierten volkskundlichen ,, Schule"von Michalis Meraklis, hat in ihren Feldforschungsberichten jedoch mehrdie persönliche Sensibilität und die Sympathie für die nun doch langsamseẞhaft werdenden Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner sprechen lassen und mit ihren Arbeiten dergriechischen ,, Tsiganologie Glossar ::: zum Glossareintrag Tsiganologie“, die sich freilich mit der bulgarischen etwanicht vergleichen läßt, wichtige Impulse verliehen. Die theoretische Aufar-beitung der eigenen Erfahrung führt zu einer Auseinandersetzung mit denMöglichkeiten der zur Verfügung stehenden Theoreme und ist in jedem Falleauch für andere Feldforscher lehrreich.