Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
Seite
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2001, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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Freilich: Ob nun alles von ,, Paragrana Ausgestreute wirklich so weit,, neben gewohnten Saaten liegt, wie man selbst zu wissen glaubt, oder obnicht mit vielem- das ,, Erinnerungs"-Heft ist das beste Beispiel- zwarneue, aber doch schon bekanntere Wege begangen werden, ist dann nocheinmal eine ganz andere Frage.

Gert Dressel

Der Vierzeiler. Zeitschrift für Musik, Kultur und Volksleben. Hg. v.Hermann Härtel. Graz, Steirisches Volksliedwerk, 4 Hefte pro Jahr.

Die Zeitschrift für Musik, Kultur und Volksleben des Vereines SteirischesVolksliedwerk hat ein trachtiges Outfit, in steirischem Wald- und Wiesen-grün und ist ausgesprochen g'schmackig gestaltet.

Es ist ein gutes Blatt, ein schönes Blatt. Volksleben beschrieben vonseiner ,, hoameligsten Seite. Und die Bemühungen, eben dieses Feine,G'mütliche zu vermitteln, dürfen professionell genannt werden. Jede Num-mer bleibt bei einem Leitthema, das Bildarchiv, auf das zurückgegriffenwerden kann, ist reichhaltig, das Layout ansprechend. Wohltuend hebt essich von jenen zahllosen volkskulturellen Amateur- Verbandblättern ab, diesich an die Öffentlichkeit zu richten glauben, aber nicht über den Rand derinternen Lobhudeleien hinauskommen. Nein, der ,, Vierzeiler" ist ernst zunehmen und ist nicht unter jeder Kritik, sondern kritikwürdig.

Auf den zahlreichen Abbildungen lächelt es auf so gut wie jeder Seitedem Leser entgegen. Und wer nicht lächelt, strahlt zumindest verinnerlichteFreude aus. Die Happy Ethnologie geht um. Da ist kaum ein Bild ohne dasgewisse innerliche Strahlen glückseliger Goldkehlchen mit reinen Stimmenin sauberen G'wandeln. Ich bin o.k., du bist o.k., Volkskultur ist o.k. Solche,, Geborgenheit" des positiven Denkens und Bodenständigkeitfühlens strahltauch aus den Beiträgen. ,, Geborgenheit unter Anführungszeichen, bitte.Denn, wenn sich jemand naiver gibt als er ist, ist er entweder ein Narr, weiler darum weiß, oder ein Unter- den- Tisch- Kehrer. Kurzum, das grüne Blattgibt sich alle erdenkliche Mühe, sich unter dem Anschein von Bekenntnis-sen, eben um Bekenntnisse herumzudrücken. Eine alte Geschichte: Ästhetikdeckt Inhalte zu. Also wird die Freundlichkeit zur Philosophie erklärt( Siegfried Krakauer sprach einst in dem Zusammenhang von der Philoso-phie der ,, rosaroten Hautfarbe) und drückt sich dabei um Auseinanderset-zungen herum. Günther Nenning lebt sich, pseudokritisch verbrämt mitgrüner Feder als Schürzenjäger aus und stößt wider die Medien- von denener lebt ins Alphorn, aber wenn es um's Eingemachte geht, da wendet sich