Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVIII/ 107

slowenischen mittelalterlichen Wandmalerei- Kunst in dem von mir oftallein oder mit meinen Studenten seit den fünfziger Jahren besuchten roma-nischen Kirchlein von Hrastovlje im Norden Istriens, unweit von Triest. Dasaus dem 13. Jahrhundert stammende Kirchlein wurde von Johannes deCastua/ Ivan aus Kastav 1495 mit Fresken geschmückt. Weithin berühmt ist,neben den nördlichsten erhalten gebliebenen Inschriften in glagolitischer( altkroatischer) Sprache, der Totentanz. Szenen aus diesem Totentanzzieren zur Einstimmung auf den Inhalt des Buches die beiden Einbandecken.Schon früher hatte sich Frau Kumer mit Totenliedern befasst. Jedes der 111,oft vielstrophigen, Lieder ist mit seiner Melodie in sehr schöner Notenschriftversehen, mit der Signatur des GN( Glasbeno- narodopisni inštitut, derSlowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste), mit Namen undJahr der Aufnahme sowie einem Hinweis auf schon gedruckte Forschungdarüber. Ein Ortsverzeichnis und die oft notwendige Erklärung einer Viel-zahl von Mundart- Wörtern fehlen ebenso wenig wie die inhaltliche Einord-nung der Lieder nach Motiven und Anlässen des Totenlieder- Singens. Siesind nach Gruppen einander ähnlicher Situationen geordnet, in denen derTote zu seinen Angehörigen spricht und diese ihrem Schmerz über denVerlust Ausdruck geben. Es fehlen auch nicht die brauchgebundenen Liederbeim Rosenkranz- Beten und-Singen oder die an die Leiden Christi undseiner Mutter anklingenden Texte. Der Reichtum dieser Sorte brauchgebun-denen Liedgutes bei den Slowenen- innerhalb ihres seit 1991 bestehendenStaates wie auch im Ausland( Kärnten, Ungarn, Friaul, Venetien)- gibtZeugnis von der Kraft Jahrhunderte lang getragener und besonders bewussterhaltener und sorgsam weitergegebener Kultur.

Leopold Kretzenbacher

LANZINGER, Margareth: Das gesicherte Erbe. Heirat in lokalen undfamilialen Kontexten. Innichen 1700–1900(= L'Homme Schriften 8. Reihezur feministischen Geschichtswissenschaft). Wien/ Köln/ Weimar 2003, 377Seiten, s/ w- Abb. u. Tab., 1 farb. Abb.

,, Schnittpunkte" kennzeichnen die vorliegende Dissertation. So über-schreibt die Autorin selbst das erste Kapitel, in dem sie sich wissenschaftlichverortet, in ihr Forschungsmaterial methodologisch und methodisch ein-führt und zentrale Untersuchungsergebnisse darlegt. Sie sieht ihre Arbeitinterdisziplinär angesiedelt zwischen Geschlechtergeschichte, HistorischerAnthropologie und Mikrogeschichte. Mit der Perspektive auf das, doinggender", auch als Beziehung zwischen Frauen und Männern, dokumentiert