2004, Heft 1
Buchanzeigen
71
zeichneten Gesellschaft Entwicklungen, die hier anhand ausgewählterFelder( wie etwa ,, Essen und Trinken“) skizziert und illustriert werden.
Zum stimmigen Eindruck des Bändchens( den einige Unsicherheiten derFormulierungen und Bestimmungen nicht trüben können) trägt die Bildaus-wahl nicht unwesentlich bei. Sie zeigt, dass bei passgenauem Einsatz selbstund gerade mit rezenten Agenturbildern( hier solche der Agentur Key-stone) Aspekte der Alltagskultur präzise visualisiert werden können.Kurz gefasst: Angesichts der Schwierigkeiten, die die Volkskunde mitder öffentlichen Wahrnehmungen hat, würden jedenfalls dem Fach mehrpopuläre Darstellungen in der hier vorgelegten Art gut zu Gesichtestehen.( BT)
STANGL, Burkhard: Ethnologie im Ohr. Die Wirkungsgeschichte desPhonographen. Wien, WUV Universitätsverlag, 2000, 267 Seiten, Abb.
Unsere heutige ,, mehrdeutige und vielstimmige Welt macht es zunehmendschwierig, sich die menschliche Vielfältigkeit in abgegrenzte unabhängigeKulturen eingeschrieben vorzustellen“: Burkhard Stangl zitiert diesen Be-fund James Cliffords nicht nur, er sucht ihn auch gewissermaßen technolo-giegeschichtlich zu untermauern und die instrumentelle Basis dieser( imeigentlichen Sinn des Wortes)„ kulturellen Polyphonie“( S. 17) darzustel-len. In seiner hier angezeigten Studie geht es so um die Anfänge undEntwicklung der„, Fixierung des Klanges", also der Schallaufzeichnung, derSpeicherung akustischer Daten, und um ihre Bedeutung für eine Ethnologie,die sich seinerzeit mit sogenannten illiteralen Gesellschaften und so vor-züglich mit oraler Überlieferung beschäftigt hatte- und deren institutionä-rer Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts auch und nicht zuletzt imZusammenhang mit den neuen technischen Möglichkeiten der Datenerhe-bung im Feld zu sehen ist. Dem entspricht auch der in der Untersuchungbehandelte Zeitraum von der Gründung des Wiener Phonogrammarchivs derhiesigen Akademie der Wissenschaften anno 1899 bis zum Todesjahr( 1921)eines der wichtigsten„ Pioniere" dieser Institution, des Arztes, Anthropolo-gen und Ethnographen Rudolf Pöch, der den Phonographen erstmals inten-siv ethnographisch eingesetzt hat.
Solche Eckdaten begrenzen die Arbeit freilich nur, sofern es um dieDarstellung organisatorisch- biographischer Kontexte geht- konkret alsoden zweiten Abschnitt, der sich der Gründung und Frühzeit des WienerPhonogrammarchivs und den einschlägigen Aktivitäten seiner wichtigsten