Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
Seite
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ÖZV LVIII/ 107

Protagonisten( Exner, Pöch, Hornbostel) widmet. Ansonsten wird der zeit-liche Rahmen gesprengt; so geht B. Stangl im letzten Teil- Ergebnis ,, zäherArchivarbeit( S. 8) auf die( zeitpolitisch bedingt bis weit in unsere Tageunterlassene) Aufarbeitung des wissenschaftlichen( zu einem guten Teilphonographischen) Nachlasses von Rudolf Pöch ein und nützt den erstenund längsten ,, Zur Praxis und Theorie des Phonographen betitelten Ab-schnitt seiner Arbeit zu einer Reihe von Exkursen, die technikgeschichtlicheSondierungen etwa mit Überlegungen zu Fragen kultureller Gedächtnis-formierung und-genese und zum fachhistorisch so prägenden Exotismus-Diskurs zu verbinden wissen.

Der Phonograph, jenes schnell integrativer Bestandteil( wohl nicht nur)des ethnologischen Diskurses gewordene neue Medium, erlaubte- dasmacht diese Studie deutlich- nicht nur eine systematische Archivierung vonTondokumenten; die diese Archivierung erst ermöglichende Unabhängig-keit vom direkten Kontakt zu den Produzenten der nunmehr als ,, Primär-quellen" gehandelten Aufzeichnungen versprach zudem, in gewissermaßenparadoxer Weise, bei deren späterer Rezeption und Auswertung ,, Authen-tizität im Sinne einer Anmutungsqualität des Unmittelbaren; und zu-gleich machte die Vervielfältigung dieser Zeugnisse einen neuen ,, exoti-schen Glossar ::: zum Glossareintrag schen Klang zugänglich und erlaubte so den Eintritt einer, alten,, frem-den" Welt ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit hierzulande. Bleibtanzumerken, dass die hier aufgezeigte und verfolgte Rezeption vor allemnicht- europäischer, nicht- westlicher Kulturelemente ihr Analogon in der( gleichzeitig erfolgenden) Rezeption heimischer" Exotismen hat, wie sieim Dunstkreis der Volkskunde zunächst zwar vor allem ,, auf dem Papier",bald aber auch in akustischer Konservierungstechnik vorgenommen wordenist wobei hier nicht nur an die spätere intensive propagierende Nutzungdes Rundfunks, sondern, der Thematik des angezeigten Buches entspre-chend, etwa an Tondokumente österreichischer Mundarten und heimischerVolksmusik zu denken ist, die ebenfalls zu den Sammlungsschwerpunktendes Phonogrammarchivs gehört haben.( HN)

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GOCKERELL, Nina: Die Welt im Kleinen. Zur Kulturgeschichte desSpielzeugs. München, Bayerisches Nationalmuseum, 2003, 96 Seiten, zahlr.Farb- Abb.

Wenn kulturhistorische Museen das Thema Spielzeug aufgreifen, was mitBlick auf Öffentlichkeit und saisonale Neigungen zumal zur Weihnachtszeitgerne und regelmäßig geschieht, dann bewegen sich die dabei zustande