Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVIII/ 107, Wien 2004, 121-140
Mitteilungen
Usbekistan- Passage entlang neuer Identitäten
Matthias Beitl
Ein Beitrag zu Usbekistan an dieser Stelle scheint ungewöhnlich und könnteden Verdacht wecken, dass hier einem Hang zur Exotik Glossar ::: zum Glossareintrag Exotik oder purer Reiselustnachgegeben wird. Der Leser hat zunächst damit auch nicht unrecht, dennmit klingenden Namen wie Samarkand, Buchara und der historischen Qua-lifikation ,, Seidenstraße“ vergegenwärtigen sich potente Platzhalter kultur-geschichtlicher Bedeutsamkeit und Duftmarken orientalischer Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischer Zivilisationmit ihren vergangenen Karawansereien, Basaren und architektonischenLeistungen in unserem Bewusstsein.' Interessierte Reisende aller Schattie-rungen tendieren dazu, diesem mythosbeladenen Kulturraum im Sinne( reise-) lustbedingter Klischees zu erliegen, namentlich der Kraft der Kom-bination von Geschichtsmächtigkeit, staatlicher Selbstfindung und derentouristischer Verwertung sowie dem Kompensationseffekt zwangsweiserAbstinenz westlichen Kulturkonsums unterworfen zu sein. Zentralasien hatseit dem Zerfall der Sowjetunion neue Konturen angenommen, und jungeNationalstaaten sind dort intensiv mit der Etablierung eines neuen Selbst-verständnisses beschäftigt.
Dem gegenüber bemüht sich die westliche Hemisphäre- darunter auchdas offizielle Österreich- auf mehreren Ebenen vor Ort wahrgenommen zuwerden. Dem Ausbau von Kulturkontakten war eine kurze Reise im Herbst2003 gewidmet, die diesem Beitrag zu Grunde liegt. Ein zentraler Aspektwar die gegenseitige Wahrnehmung musealer Tätigkeit undganz allge-mein formuliert, aber dennoch programmatisch- Wege zur Zusammenar-
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In einem Diskussionsbeitrag im Anschluss an den Vortrag vom 12.02.04 imÖsterreichischen Museum für Volkskunde wurde nach den Resten von Karawan-sereien entlang der Seidenstraße gefragt. Das Bild eines definierten Wegesüberlagert die räumlich und zeitlich sehr unterschiedlichen Entwicklungen derverschiedenen unter dem Begriff„, Seidenstraße" zusammengefassten Handels-
routen.
Eine Ausstellung im Schloss Halbturn/ Burgenland( 16.4.2004 bis 26.10.2004)hat sich unter dem Titel ,, Jenseits der Seidenstraße" diesem Mythos verschrieben.Man lockt mit einer„ atemberaubenden Erlebnisausstellung“ und bietet demBesucher ,, ein nahezu unbekanntes Morgenland Glossar ::: zum Glossareintrag Morgenland“ zur Entdeckung an.