Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVIII/ 107, Wien 2004, 141-176
Literatur der Volkskunde
HÜGEL, Hans- Otto( Hg.): Handbuch Populäre Kultur. Begriffe, Theori-en und Diskussionen. Stuttgart, Weimar, Verlag J. B. Metzler, 2003, 580Seiten.
,, Populäre Kultur macht Spaß!", sie hat ,, irgend etwas mit, Vergnügen?' zutun“( S. 1) – dies ist ein Common sense, den der Herausgeber dieses Hand-buches zur Populären Kultur, Hans- Otto Hügel( Professor für PopuläreKultur an der Universität Hildesheim), im Dickicht der involvierten Diszi-plinen, der divergenten Ansätze und Zugänge im Zusammenhang mit derErforschung des Populären ausgemacht hat. Ansonsten herrscht in diesemForschungsfeld, das keineswegs neu ist, sich jedoch( noch) nicht zu einerselbständigen Wissenschaftsdisziplin formiert hat, weitgehend Heterogeni-tät. Viele Fragen sind ungeklärt oder aber umstritten, zum Beispiel jene nachdem Verhältnis von Populärer Kultur und Gesamtkultur, Populärer Kulturund Hochkultur oder jene, ob und wie Populäre Kultur als eigenständigerBereich zu fassen ist.
Hügels Verdienst ist es, einige Linien herauszuarbeiten und übergeord-nete Fragestellungen zu formulieren. Dies geschieht vor allem in seinerEinführung, aber auch im zweiten Kapitel, in dem VertreterInnen unter-schiedlicher Disziplinen( darunter Silke Göttsch und Kaspar Maase) Kon-zepte der Populären Kultur vorstellen( Alltagskultur, Erlebniskultur, Frei-zeitkultur, Jugendkultur, Kulturindustrie, Massenkultur ,,, The People", So-ziokultur, Subkultur, Unterhaltung, Volkskultur). Hügel schlägt vor, Popu-läre Kultur als eine Kultur der Unterhaltung näher zu bestimmen. Damitbeansprucht er keine grundsätzlich originelle Zugangsweise, selten jedochwurde der Begriff der Unterhaltung als konstituierend für Populäre Kulturverstanden. Hügel möchte damit Populäre Kultur als eigenständiges Systemund zugleich im Kontext der Gesamtkultur begreifen. Die ErforschungPopulärer Kultur ist für ihn ,, eine Kulturwissenschaft in dem Sinn, dass siegleichermaßen die Bedeutung des Unterhaltungsangebots und der Unterhal-tungsrezeption in ihrem Aufeinander- bezogen- Sein wahrnimmt, das diemedialen und sozialen Kontexte, in denen beide stehen, einschließt“( S. 18).Die Konzeption des Handbuchs orientiert sich an Hügels Auffassung vonPopulärer Kultur als Unterhaltungskultur. Es konzentriert sich auf die Zeitnach 1850 und auf Deutschland, wobei die europäischen und US- amerika-