2004, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Zusammenhang wiederholt auf Abgrenzungsprobleme hin( etwa zwischenAlltagskultur und Lebensweise einerseits und Populärer Kultur anderer-seits), die sich auch auf die Gliederung des Handbuchs ausgewirkt haben.Susanne Breuss
STOLIČNÁ, Rastislava( Hg.): Slovakia. European Contexts of the FolkCulture. Bratislava, VEDA Publishing House of the Slovak Academy ofSciences, 1997, 370 Seiten, zahlr. Farb- u. s/ w- Abb., Ktn.
Die mittlerweile erschienene slowakische Ausgabe des anzuzeigenden Wer-kes hat den Rezensenten an eine Schreibschuld erinnert- und so wird hiersehr verspätet auf ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Buch aufmerk-sam gemacht, das zusammenfassend über die slowakische Volkskultur be-richtet und so zugleich eine- im europäischen Vergleich- späte Entdeckungvon Landeskultur als Nationalkultur nachzeichnet.
Zu den Voraussetzungen des von Rastislava Stoličná als Chief Editorbetreuten Bandes, Ergebnis eines dreijährigen Projekts mit dem Titel ,, TheInter- Ethnic Relations of Traditional Folk Culture"( 1994–1996), sind einigeAnmerkungen notwendig. Er ist zuerst in der( hier besprochenen) engli-schen Fassung erschienen und war so eher einem internationalen Leserkreiszugedacht, dem die Bedeutung der nationalen Volkskultur der Slowakennahezubringen war. Dass er vom Chairman des Komitees für die Kandidaturvon Poprad- Tatry für die Olympischen Winterspiele 2006 bevorwortet ist,lässt nicht nur die Zielgruppe ahnen, sondern macht ihn auch( aber nicht füruns) zu einem Geschenkband nach Art der Coffee- Table- Books. DiesesVorwort- das nicht den Autoren des Bandes anzulasten ist-, hebt vor allemVolkskunst als Spezifik der slowakischen Nation heraus: Es spricht etwa von,, culture which has its exact specifics" und von einer Volkskultur, die,,, as ifon the surface of the cleanest well[...] reflects our Slovak spirit“. Man istbei solcher Begrifflichkeit an Emanationen des 19. Jahrhunderts erinnert, indenen ästhetische Merkmale der Volkskultur als nationale Marker dienensollten und Zeitschriften den Namen„, Am Urquell“ tragen konnten.
Wie auch immer: Der repräsentative Charakter eines Buches muss keinNachteil sein und zudem waren Gesamtdarstellungen der Volkskultur derSlowakei in einer westlichen Sprache bislang kaum verfügbar. Immer nochmusste man zu Bednariks ,, Slowakische Volkskultur“( Pressburg 1943) ausZeiten slowakischer Staatlichkeit von Hitlers Gnaden greifen oder auf ,, Dieslowakische Volkskultur“, die 1972 von einem Autorenkollektiv der Akade-mie der Wissenschaften zusammengestellt und von Emília Horváthová und