Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVIII/ 107

Sinn hat, ist dieses in deutlichen Strichen über die Resultate der Forschunginformierende Buch wichtig: Es stellt dar, was ist oder war, und zeigt zumandern die unterschiedlichen Perspektiven, die auf diesen Gegenstand ge-richtet werden können.

Konrad Köstlin

Jahrbuch für Volkskunde. Im Auftrag der Görres- Gesellschaft hrsg. vonWolfgang Brückner. Neue Folge 26, Würzburg/ Innsbruck/ Fribourg, EchterVerlag, 2003, 240 Seiten, Abb.

Der vorliegende Band ist in vier Sachbereiche eingeteilt. Der Abschnitt,, Christliche Bewusstseinslagen wird mit dem Beitrag Das Schmerzens-mannkreuz. Herkunft, Sinn und Miẞdeutung eines mittelalterlichen Bildthe-mas von Christian Hecht eingeleitet. Der Kunsthistoriker behandelt dieIkonographie des Schmerzensmannes bzw. des Schmerzensmannkruzifixesin Abgrenzung von der Darstellung der Kreuzigung oder Kreuzabnahme. Eswird davon ausgegangen, dass die Ergänzung der Imago Pietatis zu einerGanzfigur und die Verbindung mit dem Kreuz[...] die entscheidendenCharakteristika der Schmerzensmannkruzifixe sind( S. 17) und dass eineucharistischer Bezug vorliegt, zumal der Schmerzensmann als Messopfer-christus schon im 13. Jahrhundert nachweisbar ist. Die Schlussfolgerungenbasieren auf einer gründlichen Auseinandersetzung mit allen Interpretati-onsversuchen hinsichtlich dieser geheimnisvollen Ikonographie und be-legen zugleich die Ansicht des Verfassers, dass man über die Betrachtungdes Bildthemas vom Schmerzensmann generellen Zugang zum sakralenBild des Mittelalters gewinnen kann.

Sigrid Nagy behandelt Die protestantische Krippenbewegung des 19. und20. Jahrhunderts. Vorwiegend anhand literarischer Quellen( Lebenserinne-rungen) wird über Weihnachtskrippen im evangelischen Haus( auch: Künst-lerhaus), Krippenspiele und Christnachtgesänge, Pyramiden, Paradiesgärt-chen u.ä. berichtet. Zugleich wird auf die Rolle der Herrnhuter Brüderge-meinde, der Inneren Mission und der seit dem letzten Drittel des 19. Jahr-hunderts in Deutschland entstandenen Krippenvereine bei der Verbreitungund Gestaltung der Krippen eingegangen. Obgleich die profunde Darstel-lung ohne Zweifel belegt, dass Krippen in vielen deutschen Gegenden auchim evangelischen Bereich eine Rolle gespielt haben und noch spielen, bleibtes fraglich, ob man anhand von Krippenausstellungen und Sammlungenvolkstümlicher Krippen beobachten kann,, wie die Entwicklung heute inbeiden Konfessionen sichtlich ökumenisch zusammenläuft( S. 66). Auch